Sackmühle

Mehl ins Getriebe

Das Märchen vom Sackmüller

2012-05-31 von Torsten in Kategorie In Mühlen wohl fühlen

In einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein Müller namens Torsten Sackmüller. Er war aus dem Land der Wikinger ins Bergische Land gekommen und betrieb eine Mühle, die halb in einem riesigen Sack steckte und deshalb »Sackmühle« genannt wurde.

Eines Tages kam ihm der Wunsch in den Sinn, eine – sagen wir: brauchbare – Frau möge doch vom Himmel geradewegs in seine Mühle hinein fallen. Und weil damals Wünsche in Erfüllung gingen, und zwar sehr, sehr schnell, schwebte schon einen Tag später ein Heißluftballon aus der Ferne auf die Sackmühle zu. Immer näher, immer näher.

Und dann gab es einen lauten Krach, denn der Heißluftballon war zu tief geflogen (oder gefahren, wie es möglicherweise korrekt heißt) und hatte sich in den Windmühlenflügeln verfangen, wodurch sowohl der Ballon mitsamt Korb als auch die ganze Mühle in Einzelteile zerlegt wurden.

Eine verzweifelte junge Frau, die zum Glück unverletzt und dazu noch wunderhübsch war, stieg zwischen den Trümmern hervor und sprach: »Alter Schwede, das tut mir aber Leid jetzt. Aber ich werde dir für die zerstörte Mühle zehn neue bauen lassen. Ich bin eine Prinzessin und habe Geld bis zum Abwinken, also mach dir keine Sorgen.«

Torsten aber schrie erbost: »Norweger, nicht Schwede! Und alt auch nicht, jedenfalls fühle ich mich nicht so und sehe auch nicht alt aus! Und die Mühle ist gar nicht so wichtig; aber der Sack hingegen, in den die Mühle halb eingewickelt war, der ist unersetzlich! Es war nämlich ein Wunschsack, und zwar ein Einzelstück! Dieser Sack hat mir alle meine Wünsche erfüllt, und nun ist er kaputt, zerrissen, zerfetzt!«

Angesichts solch unhöflichen Benehmens wurde auch die sonst eher zurückhaltende Prinzessin recht ärgerlich und schimpfte: „Halt die Fresse, Sacknase!“ Und schon war sie verschwunden, und der Müllsack, nein Sackmüller sah sie nie wieder.

Schade eigentlich.

5 Antworten zu »Das Märchen vom Sackmüller«

  1. piri ulbrich sagt:

    Am nächsten Morgen war sie wieder da, die kleine Prinzessin, hatte Nadel und Faden dabei und begann flugs sich am Sack zu schaffen.
    Hey, lass das!
    Warum?
    Weil es mein Sack ist!
    Aber um das Gezetere kümmerte sich die Maid nicht, versprach sie sich von der guten Tat auch einen Nutzen. Sie wünschte sich schon seit geraumer Zeit einen starken kräftigen Mann, der ihr ihre geheimen Wünsche erfüllt…

  2. Trudi sagt:

    Du hast ja nicht mehr alle, alter Norweger.
    Aber toll geschrieben. Echt. Die Gebrüder Grimm würden vor Neid jetzt tot umfallen, wenn sie nicht schon gestorben wären.

  3. CeKaDo sagt:

    Prädikat „Endgeil“.

    Augestellt von Einem, der Märchen schreibt und in Kürze sogar in seinem derzeitigen Heimatort vorlesen darf.

    Ich bin übrigens Angelsachse. Also auch vom Norden her, wenn auch nicht so weit.

  4. Torsten Sackmüller sagt:

    @Piri:
    Holla die Waldfee, du hast aber wilde Phantasien!

    @Trudi:
    Wenn ich richtig informiert bin, haben die Gebrüder Grimm die bis dato lediglich in mündlicher Form überlieferten Volksmärchen zu Papier gebracht. Ohne Computer wohl eine ziemliche Maloche.

    @CeKaDo:
    Danke für deine Prädikats-Vergabe, ich weiß das zu schätzen! Ja, und ich bin doch gar kein Skandinavier in Wirklichkeit. Sondern ein Ur-Remscheider.

    @alle:
    Das kleine Märchen fiel mir spontan ein, als ich essend am Küchentisch saß, nach links aus dem Fenster schaute und da am Himmel solche Heißluftballons erschienen. Also, nicht zu viel rein interpretieren.

  5. piri ulbrich sagt:

    Hmm, was ist denn so fantasievoll daran einen Sack zu flicken? *grins*

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