Haustiere

2010-07-29 von Torsten

Viele Menschen halten Haustiere. Die meisten Tiere haben es sicherlich gut bei ihren Frauchen und Herrchen, in Einzelfällen mag die Tierhaltung allerdings auch an Tierquälerei grenzen.

Dass hoch entwickelte Säugetiere fähig sind zu leiden, steht wohl heutzutage außer Frage. Aber was ist mit Tieren, die es nicht ganz so hoch geschafft haben bei ihrem mühseligen Aufstieg auf der Leiter der Evolution? Nun, worauf ich hinaus will: Vielleicht sind weniger hoch entwickelte Lebewesen nicht leidensfähig oder sich ihres Leidens zumindest nicht bewusst. Ja, oder etwas weniger bewusst oder so.

Den Leuten, die sich ein Tier halten möchten, aber keine große Lust zur Hege und Pflege verspüren, möchte ich deswegen heute einmal den Silberfisch als ideales, anspruchsloses Haustier anpreisen. Der Platzbedarf ist extrem gering, den Käfig mit allerdings sehr, sehr feinmaschigem Draht kann man selber basteln, genügend Auslauf bietet die Badewanne (man muss nur den Stöpsel auf den Abfluss stecken, sonst entwischt das Mistviech), und die Versorgung mit Nahrungsmitteln kostet fast nichts. Und wenn man keinen Bock auf diese bisweilen sehr lästige Erteilung von Zuwendungen wie Streicheln und Schmusen wie etwa bei Hunden, Katzen und Kaninchen hat, ist diesem Tier das völlig egal.

Aber das Beste ist halt die preiswerte Fütterung. Silberfische ernähren sich von Stärke. Also, nehmen wir einmal an, du machst Tapezierarbeiten in Schwarzarbeit. Dann nimmst du einfach ein paar Stückchen alte Tapete mit nach Hause, und dein Silberfischchen wird sich sehr über den Kleister freuen, der da immer noch auf der Rückseite dran haftet, wenn auch völlig trocken. Oder, sagen wir, es ist von deinem Kartoffelpüree zu Mittag ein Löffelchen übrig geblieben. Wegwerfen musst du das nun nicht mehr. Aber bitte auch nicht zu viel verfüttern, damit dein gefräßiges Tier keine Magenprobleme bekommt.

Und wenn so ein Silberfischchen trotz deiner halbwegs guten Pflege doch mal krank wird? Nein, Kosten für den Tierarzt entstehen dir nicht. Du trittst das possierliche kleine Wesen einfach kaputt. Und ab in die Mülltonne.

In Konflikt mit Tierschutzgesetzen kommst du deswegen nicht.


Anmerkung: Es handelt sich natürlich bei diesem Artikel um Satire. Ich sag’s lieber mal. Denn es soll ja Menschen geben, die so was nicht erkennen, sich fürchterlich aufregen und Tierschutz, Kammerjäger, Presse und Polizei informieren.

Eva Herman und die Loveparade

2010-07-28 von Torsten

Um eines vorweg klarzustellen: Egal, was man von der Loveparade hält – was dort in Duisburg geschehen ist, ist furchtbar, und absolut unverständlich sind die mangelhaft getroffenen Sicherheitsvorkehrungen.

Doch dass Eva Herman, die ehemalige Tagesschausprecherin, wieder einmal aufs Schärfste attackiert wird – diesmal, weil sie die Loveparade mit der biblischen Geschichte von Sodom und Gomorra verglichen und als Orgie bezeichnet hat – finde ich übertrieben und unangemessen.

www.derwesten.de: Für Eva Herman ist Loveparade eine »Orgie«

Sicherlich hat Frau Herman etwas befremdlich wirkende Ansichten. Und wenn sie übernatürliche »andere Mächte« am Werk sieht, die das illustre Treiben für die Zukunft verhindern wollen – ja und? Die Sehnsucht nach höheren Mächten liegt doch in der Natur des Menschen. Wer macht denn Politiker in der Öffentlichkeit lächerlich, weil sie Astrologen befragen? Wer verbietet esoterische Abzockersendungen wie Astro-TV? Wer regt sich über Menschen auf, die in die Kirche gehen in der Hoffnung, in einem vermeintlichen Jenseits dafür einen Vorteil zu erhalten?

Die Dekadenz eines Volksfestes von den Ausmaßen einer Loveparade ist nicht von der Hand zu weisen, finde ich. Aber, liebe Frau Herman, das hat es doch schon immer gegeben. Die Dekadenz liegt eben in der Natur jeder höher entwickelten Zivilisation.

Und das Eingreifen »anderer Mächte« in die Geschicke der Menschheit gibt es schlicht und einfach nicht, jedenfalls nicht nach meinem Weltbild. Wäre es doch so, wäre Menschen und Tieren schließlich in der gesamten Menschheitsgeschichte viel Leid erspart geblieben. Nein, wir Menschen haben unser Glück und Leid selber in der Hand.

Vielleicht gibt es ja Energien, die man »anzapfen« kann, höhere Kräfte, die man zu Hilfe holen kann – die Initiative muss aber jedenfalls von uns Menschen ausgehen.

Ob das gut sei oder schlecht, darüber mögen die Philosophen und Theologen diskutieren.

Endlich wieder Scheißwetter

2010-07-26 von Torsten

Ach, ich bin so froh, dass endlich wieder Scheißwetter herrscht. Regen, Wind und kühle Luft sind doch etwas Wunderbares, im Gegensatz zu Hitze, Sonnenschein und blauem Himmel. Ja, dieser wunderbar bewölkte Himmel hält die entsetzliche Hitzestrahlung der Sonne fern.

Man kommt bei so trübem Wetter, das alle Farben irgendwie grau aussehen lässt, gar nicht auf den Gedanken, spazieren gehen zu wollen, was man sowieso nicht tun kann, weil man aufgrund der Umstände doch gezwungen ist zu arbeiten.

Ja, es ist wahr: Ich hasse es zu schwitzen. Zu frieren auch, zugegeben, aber da kann man ja was gegen tun, zum Beispiel einen Bären erlegen und das Fell als Mantel benutzen. Gibt es nicht in Berlin wieder Bären wie vor tausend Jahren oder verwechsele ich da was? Kaninchen in Köln auf einer Verkehrsinsel, die habe ich jedenfalls schon mit eigenen Augen gesehen. Warum soll es da nicht auch Wölfe, Waschbären, Eichhörnchen und mutierte Riesenspinnen in unseren Großstädten geben.

Zurück zum Wetter: Nass werden, wenn man einkaufen geht, das Fenster öffnen, um zu frieren, eine gedrückte Stimmung von den grauen Wolken bekommen, das finde ich alles gut, das ist mir lieber als bei schönstem Sonnenschein so eklig zu schwitzen und dreimal am Tag duschen zu müssen.

Aber wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch auf dem Planeten Erde, der das so sieht. Egal, es musste einfach mal gesagt werden. Musste einfach mal raus.

Pop-Kunst

2010-07-24 von Torsten

Ach, jahrelang läuft man mit dem geheimen Wunsch im Kopf durch die Straßen seiner Stadt, dass doch einfach mal eine interessante Frau einen ansprechen möge und daraus eine wundervolle Romanze entstünde.

Ja, und heute ging der erste Teil meines Wunsches in Erfüllung, denn kurz vor dem Supermarkt, in welchem einzukaufen ich mich anschickte, liefen in ein paar Metern Entfernung zwei junge Frauen diagonal an mir vorbei, mich interessiert anschauend. Und die eine rief mir dann »Guten Abend!« zu. Leider war es die hässlichere der beiden Damen.

Ich jedoch ging wortlos und mich nicht umdrehend weiter, geradewegs auf den Eingang des Supermarktes zu. Denn die Frauen gibbelten und gackerten so komisch, und auf so was kann ich ja nun gar nicht. Na ja, wer weiß, wie jung die noch waren, bestimmt nur so Anfang zwanzig, da fehlt eben noch die Reife, jedenfalls die geistige.

Und das Motiv auf meinem T-Shirt haben sie bestimmt auch nicht als ein bedeutendes Kunstwerk aus der Ära der amerikanischen Pop-Art erkannt, diese jungen kulturlosen Hühner. Es ist das Gemälde von Roy Lichtenstein (1923–1987), das eine blonde Frau zeigt, die in einer Comic-Sprechblase denkt: »M-MAYBE HE BECAME ILL AND COULDN’T LEAVE THE STUDIO!«

Außerdem lasse ich mich nicht einfach von wildfremden komischen Weibern auf der Straße anquatschen, schon gar nicht von zweien auf einen Schlag. Wer weiß, was die gemeinsam sonst noch so für Sachen mit einem vorhaben. Obwohl … nun ja … zwei Mädels, ein Mann (nämlich ich) … hm …

Aber nee, dann ist der Euro ja nur noch 33,33 Periode Cent wert, wenn man zwei so junge, lebenslustige und wahrscheinlich kaufwütige Damen als Klötze am Bein hat. Nee, lasst mal, Mädels, nicht mit mir.

Gestern Nacht, die reifere Frau in der Eisdiele, mit der ich flirtete, die wäre vielleicht eher mein Kaliber gewesen. Aber wenn Damen mittleren Alters schon so unangenehm angeschickert sind, auf Tuchfühlung gehen und anfangen, einen anzugrabschen … boh näh, das kann es auch nicht sein.

So, dann will ich mir mal einen schönen Fernsehabend machen, und zwar mit mir allein, plus leckerem Essen und Trinken und mit reichlich Horror- und Actionfilmen. Das Leben hat auch seine guten Seiten.

Glas, das Material von morgen

2010-07-23 von Torsten

»Glas, das Material von Morgen!« lautet die Überschrift einer Doppelseite im Prospekt eines Wuppertaler Küchenstudios.

Moment, Moment! Also, erst einmal wird »morgen« in diesem Zusammenhang kleingeschrieben – oder ist die Küche etwa am Morgen aus Glas, am Abend aber vielleicht plötzlich aus Holz? Zweitens, wieso soll Glas ein zukünftiges Material sein? Glas gehört schließlich zu den ältesten Werkstoffen der Menschheit.

Modern ist es allerdings, Oberflächen von Küchenmöbeln aus Quarzglas herzustellen. Dieses sieht sehr edel und glänzend aus, ist extrem hitzebeständig und gegen fast alle Säuren unempfindlich.

Aber putzen möchte ich in so einer Küche nicht.

Das Trennende

2010-07-22 von Torsten

»Warum empfinden Sie keine Liebe? Das ist die fundamentale Frage – und nicht, ob Gott existiert oder was mit Ihnen nach dem Tode geschieht, sondern warum Sie als Menschen nicht diese geistige Qualität besitzen, die Sie über alles Trennende erhebt, die über jeglichen Nationalismus, über alle Religionen, Glaubenssysteme und Dogmen hinausgeht, über alles, was der Mensch erfunden hat, um sich zu schützen.«
– Jiddu Krishnamurti

Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. … Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
– Die Bibel, 1. Korinther 13, Verse 2 und 13

Große Worte, die einleuchtend klingen. Diese allumfassende Liebe in sich aufzubauen und zu erhalten, das ist allerdings alles andere als leicht. Man muss, wie in jedem Handwerk und in jeder Kunst, immer wieder üben, man muss sich kritisch selbst beobachten, sich bemühen, seine Fähigkeiten auf diesen Gebiet zu verbessern.

Da habe ich noch sehr viel an mir zu tun.

Der Vorteil von Autoabgasen

2010-07-21 von Torsten

Ach, diese heißen Temperaturen. Aber ich musste heute in die Innenstadt gehen, um ein bestelltes Fachbuch in der Buchhandlung meines Vertrauens abzuholen.

Und ich genoss es richtig, die Autoabgase einzuatmen. Ja klar! Oder ist dir etwa der Pissgestank lieber? Denn es gibt doch keine Mauer, keinen Gartenzaun und keinen Baumstamm, an den nicht irgendein Hund dran geschifft hätte. Wenn es kühl ist, riecht man das als Mensch nicht, aber bei einer Hitze von fast dreißig Grad? Da werden die Geruchsmoleküle – aber hallo! – millionenfach von dem getrockneten Urin abgelöst und steigen wunderbar vom Boden auf und direkt in deine Nase hinein.

Die Abgase aus den Autos überdecken aber diese Gerüche wunderbar; also, liebe Autofahrer: danke schön!

Aber noch was zu den Hundehaltern: Nach meinen Beobachtungen gibt es offensichtlich zahlreiche Hundehalter, die der Meinung sind, es reiche aus, mal kurz mit dem Fifi oder Bello um den Block zu gehen. Sicher, er kann seinen Blasen- und Darminhalt entleeren. Aber was ist mit der Bewegung, dem Auslauf? Schaut euch mal Hundefutterwerbung an, liebe Hundebesitzerinnen und -besitzer. Da rennen die Tiere richtig wild über endlose grüne Wiesen.

Oder ein Waldspaziergang: der ist artgerecht. Da findet der Hund tausend interessante, natürliche Gerüche. Außerden, über Waldboden zu laufen ist sicherlich nicht nur für Menschen, sondern auch für Haustiere angenehmer als über Asphalt und Steinplatten. Und Autoabgase riechen möchte ein Hund sicherlich auch nicht. Kiefernadelduft ist einfach besser.

Vielleicht lese ich mein Buch im Wald.