Sabine frug (okay, heute sagt man: fragte) neulich, wie man denn zum Beispiel beim Einkaufen beeinflusst werde.
Aber ich fange mal von vorne an. Das Wort Manipulation kommt aus dem Lateinischen/Französischen und bedeutet ursprünglich: Hand- oder Kunstgriff. Heute meint man damit eher die Steuerung einer menschlichen Verhaltensweise oder das Drängen in eine bestimmte Richtung.
Für mich ist das erst einmal wertfrei, denn wir alle manipulieren unsere Mitmenschen, oft auch unterbewusst. Ich behaupte, dass eine Kommunikation ohne Beeinflussung gar nicht möglich ist. Kindeserziehung ist Manipulation, eine Liebesbeziehung ist oft stark von Steuerungsversuchen des Partners oder der Partnerin geprägt, und auch unter Freunden versucht jeder, den anderen zu beeinflussen. Gerade bei banalen Dingen, wie etwa, in welchen Kinofilm man denn gehen soll. Und jeder versucht, seine Mitmenschen so zu steuern, wie er meint, dass sie »funktionieren« sollten.
Besonders diskutiert wird Manipulation allerdings meistens im Zusammenhang mit Verkaufsbemühungen von Verkäufern oder in Bezug auf Konzerne, die natürlich Werbung machen, um ihre Waren oder Dienstleistungen zu verkaufen. Und das wird immer als furchtbar »böse« angesehen. Ist es aber nicht. Auf der Werbung und dem daraus resultierenden Verkauf von Gütern basiert schließlich unsere Wirtschaft und darauf wiederum basiert unser Wohlstand.
Aber wie werden wir beeinflusst? In den sechziger Jahren war Werbung an die Ratio, also an den Verstand gerichtet. Da wurden viele Erklärungen über die Funktionalität und technische Qualität der Produkte abgegeben.
Heute packen sie uns an unserer Gefühlswelt. Ein Auto ist eben kein Kasten voller Technik, sondern fast ein Lebewesen. Zwischenzeitlich war es mal ein wildes, schnelles und geschmeidiges Tier, eine Wildkatze etwa. Heute, in 2012, ist es ein menschliches Wesen, das einem Sicherheit gibt, mit dem man zärtlich umgeht, das man streichelt. Beobachte mal, wie zärtlich in der Automobilwerbung über die glänzenden Oberflächen gestreichelt wird. Das ist Emotionalität pur. Das ist Sex. »Sex sells«. Ja, Werbung ist sexy.
Andere Bedürfnisse, die eher auf der Gefühlsebene als dem rationalen Denken basieren und auf die die Werbung abzielt, sind zum Beispiel: Sicherheit, Attraktivität, Wohlbefinden, Gemeinschaft, Gesundheit, Lebensfreude, Freundschaft.
Daneben gibt es noch Werbung für Schnäppchenjäger, die immer sehr reklameartig, übertrieben bunt und im wahrsten Sinne des Wortes »billig« daher kommt. Ein schlecht animiertes blaues Schwein, ein sich laut artikulierender Mann mit doofem Filzhut, saublöd aussehende und noch blöder sprechende Stofffigur-Piloten im Cockpit. Hochpreisige Artikel wie Automobile werden dagegen auch sehr hochwertig beworben.
Doch zurück zur Manipulation. Wieso wirkt emotionale Autowerbung, um beim Beispiel von vorhin zu bleiben? Weil uns die Technik eigentlich nur am Rande interessiert. Wir wollen mit der neuen Schüssel angeben, wir wollen uns sicher, sportlich, jung, dynamisch oder was weiß ich, was sonst noch fühlen. Fühlen!
Manipulation läuft über die Gefühlswelt ab. Wenn man das durchschaut, wenn man sich also seiner eigenen Bedürfnisse und der damit verbundenen negativen oder positiven Gefühle bewusst ist, schützt einen das weitgehend vor Manipulationen.
Nun, ich persönlich finde es nicht wirklich schlimm, wenn man sich Dinge kauft, die einem ein gutes Gefühl verschaffen, solange man es sich leisten kann und es niemandem schadet. Gut, Umweltprobleme im Zusammenhang mit Produktion, Vertrieb und Transport könnte man hier diskutieren. Dennoch: schlimmer als manipulative Werbung finde ich eine Masse, die sich politisch manipulieren lässt, ohne es zu bemerken. Siehe Drittes Reich. Und das lief auch über die Gefühlsschiene!
Da lasse ich mir lieber ein wenig Fernsehwerbung gefallen …