Sack mir, wo die Mühlen sind

Der Seestern

2022-01-10 von Torsten in Kategorie Ganz vorn mit Korn

Es war einmal ein kleiner Seestern, der wollte nicht immer nur im Wasser leben. Also ließ er sich bei Flut an den Strand spülen und ging an Land. Als Beine benutzte er zwei seiner fünf Zacken. Er fand es ziemlich kalt an Land, jedenfalls nicht viel wärmer als im Wasser. Er hatte ja auch dummerweise gerade den Winter erwischt, aber ein Seestern weiß eben nicht allzu viel über Jahreszeiten.

Schließlich fand er aber ein Haus, das irgendwie so eine Art Gemütlichkeit ausstrahlte. Und auch Licht strahlte durch die Fensterscheiben. Das fand der Seestern gut, und so quetschte er sich unter der Haustür durch, kroch durch den Flur und landete schließlich in der Küche, wo gerade Weihnachts­plätz­chen gebacken wurden. Den Menschen fielen aber nicht besonders viele Formen für ihre Kekse ein. Und alles war nur so ein Zeug mit Zacken daran: ein Weihnachtsbaum, der Weihnachtsmann mit Zipfelmütze, eine Gabel und ein Kirchturm.

Da sahen sie auf einmal den armen Seestern, wie er sich so mühselig über den Küchenboden robbte, denn im Meer war es irgendwie leichter, voran zu kommen.

»Ist der süß!«, rief das kleine Mädchen, und der Junge sagte: »Das ist doch ein Stern, wie kann der süß sein!«, der Vater warf ein, Sterne gäbe es nur draußen im Weltraum oder Weltall oder wie das hieße, aber die kluge Mutter schlug vor: »Das ist doch ein Seestern, lasst ihn uns in die Badewanne voller Wasser legen, aber schön kalt oder besser lauwarm, jedenfalls nicht zu warm oder gar heiß, und dann überlegen wir mal, wie wir ihn wieder zum Meer zurück bringen. Und ihm zu Ehren wollen wir Plätzchen backen, die so aussehen wie er!«

Seestern

Ja, gute Idee. So entstanden die Zimtsterne. Wieder was mit Zacken, aber egal, dafür halt zusätzlich mit Zimt.

Und da das hier jetzt eine Weihnachtsgeschichte ist, Weihnachten aber seit Wochen vorbei ist und wir schon wieder Januar haben, müsst ihr wohl oder übel diese Geschichte bis zum nächsten Dezember aufbewahren. Oder zumindest euch merken. Oder nein, sagen wir mal so: Wenn ihr Zimtsterne backt zur Adventszeit, fällt euch die Geschichte bestimmt wieder ein, wetten?

2 Antworten zu »Der Seestern«

  1. Helge F sagt:

    krasse story, torsten

  2. Torsten sagt:

    Danke schön, ich freue mich, wenn Leuten was gefällt von dem, was ich mir so ausdenke!

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