Sackmühle

Wir sind so durch den Wind

Liebe/r Asylgegner/in

2018-03-22 von Torsten in Kategorie Mehlwurm auf’m Turm

Leider gibt es auch in meiner Stadt solche »PRO«-Arschgeigen, die nichts Besseres zu tun haben, als in polemischer Sprache gegen Geflüchtete, aber auch gegen (angebliche) Linke zu wettern. Doch was ist eigentlich mit Umweltzerstörung, vergifteten Ackerböden, Bienensterben, zunehmender Kapitalisierung und Oligopolisierung, Landraub, Privatisierung von Wasser, Lobbyismus und der Steuerung der Politik durch die Großkonzerne, zunehmendem Plastikmüll, der ungeklärten Frage der Atommüll-Endlagerung – um nur einige Probleme zu nennen? Kein Wort davon. Nein, die »Asylanten« (die man übrigens gar nicht mehr so nennt) zerstören ja unser ach so schönes Deutschland – auf Kosten der deutschen Steuerzahler, versteht sich. Schon klar. Natürlich gibt es unter Einwanderern auch kriminelle Subjekte, keine Frage. Aber die gibt es unter Inländern auch, oder etwa nicht?

Wie erfrischend ist da als Gegenmeinung der Essay LIEBER ASYLGEGNER auf der Website kratzenberg.de. Gut, auch dort ist die Sprache nicht sachlich, sondern sarkastisch bis aggressiv. Aber der Kernpunkt der Aussage trifft den Nagel auf den Kopf, wie ich finde: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, und wer die geforderten Leistungen in geringerem Maße als ein Zugewanderter (aber auch als eine andere Deutsche oder ein anderer Deutscher) erbringt, hat eben Pech gehabt oder ist selber Schuld. Jede und jeder ist eben ihres und seines Glückes Schmied.

Was also ist das eigentliche Problem? Ist es unsere Leistungsgesellschaft? Ja, vielleicht. Jedenfalls könnte man darüber trefflich diskutieren. Eine Umgestaltung der Gesellschaft, die nicht Wirtschaftswachstum als oberste Maxime hätte, sondern Solidarität, Zufriedenheit, Freude, Glück und ein Leben nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger: das wäre doch mal ein lohnendes Ziel. Eine Gesellschaft, die nicht auf die Bereicherung der Reichen ausgerichtet wäre, mit all den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Schäden, sondern auf das Gemeinwohl, also das Wohl aller Menschen – von so einer Gesellschaft träume ich.

Und so etwas ist wahrhaftig kein »linkes« Gedankengut; sondern das ist in etwa das, was Ludwig Erhard (CDU) in der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland gefordert hat; nur dass er vermutlich ausschließlich das wirtschaftliche Wohl der Bürgerinnen und Bürger im Sinn gehabt hat; darüber hinausgehend sollte der Begriff »Wohlstand« aber, so meine ich, alle Aspekte des Menschseins umfassen, also auch kulturelle, intellektuelle und spirituelle Bedürfnisse.

Nein, nicht die Zugewanderten, Geflüchteten oder wie auch immer man sie nun nennen darf und will, zerstören unser Land – der Hass zerstört es.

2 Antworten zu »Liebe/r Asylgegner/in«

  1. Violine sagt:

    Applaus!

  2. Ronald sagt:

    Irgendwann geht einem auch der Humor und die Sachlichkeit ab, wenn man nur noch überall deren üble Kommentare lesen muss.
    Habe vor einer Weile selbst einen ähnlichen Beitrag geschrieben; einen Verweis auf den oben verlinkten Beitrag (und auf diesen hier) habe ich gerade nachgetragen:
    http://blog.ronaldfilkas.de/2017/09/30/offener-brief-an-die-afd-anhaenger/

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