Sack mir, wo die Mühlen sind

Sollten Autoren keine Blogger sein?

2017-02-25 von Torsten in Kategorie Mehlwurm auf’m Turm

Im Blog des angenehm unternehmerisch denkenden Autors Jeff Goins geht es um Fragen rund ums Schreiben, wie man damit überhaupt ein Einkommen erzielen kann, es geht um Kreativität, Arbeit und wie man bei alldem mit sich selbst umgeht.

In seinem englischsprachigen Artikel Why You Need to Stop Blogging & Regain Your Writing Soul stellt er die These auf, dass das Bloggen kontraproduktiv sein kann. Nun bloggt er ja selber und sagt auch gleich am Anfang des Artikels, dass das ein gute Übung für Schreiberlinge sein kann, wenn man es als Werkzeug zur Selbstdisziplinierung nutzt. Er warnt aber davor, mit der Bloggerei zu sehr dem eigenen Ego zu frönen, indem man möglicherweise irgendwann nicht mehr für sich selbst schreibt, sondern immer mit dem Hintergedanken, viele Leserinnen und Leser zu erreichen, gut in Suchmaschinenergebnissen aufzutauchen und so weiter und so fort.

Und damit liegt er bestimmt ziemlich richtig. Auch ich stelle mir ja manchmal die Frage: Schreibe ich in der Sackmühle immer noch in erster Linie für mich (und freue mich natürlich gleichzeitig, wenn es anderen Menschen gefällt, was ich fabriziere), oder schiele ich inzwischen zu sehr auf die Zahlen und Kurven in meinen Statistiken?

Nun, ich finde, man kann beides gar nicht so ganz scharf trennen. Natürlich beginnt wohl jede künstlerische und sonstige (freiwillige) Tätigkeit damit, dass man es für sich selber tut. Weil da irgendwelche inneren Zustände nach außen getragen werden wollen. Weil man einfach ein Talent entdeckt hat, an dem man Freude hat. Oder aus welchen Gründen auch immer. Aber freilich kommt irgendwann der Punkt, wo man auch gerne erfahren möchte, wie das Gemalte oder Komponierte oder Geschriebene bei anderen Menschen ankommt. Man braucht also irgendwann auch ein Publikum, vielleicht zuerst den Freundeskreis, aber später sicherlich auch fremde Interessierte.

Jeff Goins warnt davor, irgendetwas zu schreiben und ohne Bedenkzeit zu publizieren, weil es sich im Nachhinein doch eher als nicht so toll, im schlimmsten Fall peinlich, herausstellen könnte. Und ein Merkmal eines Blogs ist es ja tatsächlich, das es quasi sofort in die Welt hinausgeschleudert wird, was man schreibt. Ein anderer Punkt ist: Nicht jeder, der bloggt, hat auch etwas zu sagen. Ich finde allerdings, dass Bloggerinnen und Blogger in aller Regel schon etwas zu sagen haben, sonst würden sie sich ja vermutlich nicht der Mühe unterziehen, ein eigenes Blog zu betreiben. Kritischer sehe ich da schon die ganzen sozialen Netzwerke und Dienste. Da wird tatsächlich ein riesiger Haufen Müll produziert: Fachlich falsch, sprachlich unter aller Sau und vom Unterhaltungswert mehr als fragwürdig. Insofern bin ich auch überhaupt kein Freund von dem ganzen sinnlosen Gequatsche auf Facebook, zum Beispiel.

Zurück zur Frage, ob man sein Blog lieber platt machen sollte, insbesondere wenn man ein Autor von Büchern ist: Ich denke, dass Jeff vielleicht nicht sauber unterscheidet. Ein Buchautor wird sicherlich in seinem Blog ein Niveau pflegen, das nicht nur knapp über dem Erdboden liegt. Ein Hinz oder eine Kunz hingegen, die glauben, bloggen zu müssen, ohne über eine gewisse sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu verfügen und ohne etwas von Belang mitzuteilen zu haben – ach, na ja, lass sie doch machen. Es liest doch sowieso niemand.

4 Antworten zu »Sollten Autoren keine Blogger sein?«

  1. CeKa sagt:

    Ich lese deutsche Blogs seitdem es sie gibt. Ich habe selbst gebloggt und Bücher geschrieben.

    Was ich unterstreichen kann, ist die simple Tatsache, dass ich viele Blogs habe sterben sehen, sobald der Blogger aus dem Blog heraus ein Buch verfasst hat. Ebenso stelle ich bei mir und vielen anderen Bloggern fest, dass Bloggen auch das Schreiben eines Buches durchaus verhindern kann.

    Weiterhin habe ich Blogger mit Büchern erlebt, deren Qualität in jeder Hinsicht nicht mehr vorhanden war. Es ist also alles möglich. Wie im richtigen Leben. 🙂

  2. Adelhaid sagt:

    Ich stimme meinen Vorredner einfach einmal zu, schon alleine deswegen, weil ich keinen Löffel abzugeben habe, aber verschwurbelt einen Gruß an Sylvia H. ausrichte, die mir diese Anthologie mal schenkte, in der CeKa auch eine „Geschichte“ schrieb. 😉
    Zufälle gibt es also auch bei der Sackmühle (, wo ich bisweilen stiller Mitleser war – aber hier hat es mich gereizt ^^).

  3. Torsten sagt:

    Das ist famos, danke für deinen Kommentar! Und da ich gesehen habe, dass du die Sackmühle in deiner Blogroll hast, habe ich auch dein Blog in meine Liste aufgenommen. Lang lebe die Vernetzung!

  4. Adelhaid sagt:

    Auch das ist Zufall, ich hatte dich schon länger im Blogger-Dashboard, nur niemand hat mir gesagt, dass ich das „Widget“ der Blogroll auf den eigenen Blog ab und an aktualisieren sollte, was ich am Wochenende tat, nachdem ich mir über mehrere Wochen überlegte, warum denn plötzlich so wenig Blogger bloggen, denen ich neu folgte. Das lag womöglich an dem völlig unnötigen Überarbeiten von Google+ inkl. deren Bloggerplattform. Man kann es gut meinen und alles schlechter machen, das hat G+ außergewöhnlich erfolgreich geschafft. Aber zumindest weiß man jetzt, dass im Hauptquartier von Tante G noch an Baustellen gewerkelt wird, die manche schon nach dem ersten Mauerschlag für tod erklärten.

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