Sackmühle

Mehl ins Getriebe

Deppenapostroph, Deppenleerzeichen – was kommt als nächstes?

2017-01-23 von Torsten in Kategorie Prügel vom Windmühlenflügel

Ja, der allgegenwärtige Deppenapostroph ist grauenhaft – Genitiv-Apostroph, Pluralapostroph und Apostroph in einem Wort, das als letzten Buchstaben ein S hat, also zum Beispiel »nichts«. Und eine weitere Unsitte greift immer mehr um sich, nämlich zusammengesetzte Hauptwörter nicht mehr zusammenzuschreiben oder mit Bindestrich zu trennen. Statt dessen wird ein Leerzeichen gesetzt. Das ist das Deppenleerzeichen. Einen sehr schönen und bissigen Artikel zu diesem Thema habe ich auf der Website von WELT und N24 gefunden, und er nennt sich: Wie das Deppen­leerzeichen den Bindestrich bedroht.

Gut zu wissen, dass ich nicht der Einzige bin, der sich beim Anblick dieser ganzen Leerzeichen-Eskapaden tierisch aufregt. Was kann denn so schwer daran sein, einen Bindestrich zu setzen – auch auf Produktverpackungen?

An Produktetiketten können wir erkennen, dass Bindestriche offensichtlich aus gestalterischen, vermeintlich ästhetischen Gründen weggelassen werden, wenn zusammengesetzte Substantive untereinander geschrieben werden. Im Beispiel einer Fischbüchse wurde das Wort Heringsfilets unterbrochen durch ein stilisiertes rotes Band mit der Aufschrift Tomaten-Sauce. Aha, das wurde also korrekt mit Bindestrich geschrieben. Ebenso richtig wäre natürlich auch Tomatensauce oder eingedeutscht Tomatensoße gewesen, also in einem Wort. Das Wort Heringsfilets auf diese Weise so zu zerbrechen, finde ich misslungen.

Mehrzeiligkeit

Wenn nun aber auf einer einzigen Zeile statt des Bindestrichs ein Leerzeichen gesetzt wird, dann ist das nicht mehr nachzuvollziehen und kann meines Erachtens nur durch Ahnungslosigkeit oder Ignoranz seitens der Produktgestaltungs-Agentur zu erklären sein.

Deppenleerzeichen

Aber es gibt auch Positiv-Beispiele. Bei diesem Etikett einer Champignons-Verpackung wurde alles richtig gemacht. Na also, es geht doch, meine Damen und Herren!

Kein Deppenleerzeichen – alles richtig gemacht!

Ich frage mich nun bloß, was als nächste große Sprachverhunzung auf uns zukommt. Schlimmer kann es kaum noch werden, sollte man zwar meinen, aber ich bin da eher pessimistisch. Vielleicht wäre es das Geschickteste, einfach ganz auf die Sprache zu verzichten, liebe Werbeleute, und nur noch mit Bildern zu arbeiten. Aber wer kann schon einen Hering von einer Makrele unterscheiden.

4 Antworten zu »Deppenapostroph, Deppenleerzeichen – was kommt als nächstes?«

  1. Deppenleerzeichen sagt:

    Das größte Übel sind diesbezüglich wohl die Rechtschreibkorrekturfunktionen auf Smartphones und Tablets, die nur einen sehr begrenzten Fundus von zusammengesetzten Wörtern kennen und deshalb im Zweifel nahezu alles, was der Software unbekannt ist, in einzelne Wörter trennen wollen.
    Der Durschnitts-User denkt sich dann: „Na wenn die Wortkorrektur das so vorschlägt, wird das schon stimmen“. 🙁

  2. Setzfehler sagt:

    Ich war mal für eine Weile als Korrektor in einer (sehr) großen Druckerei angestellt, deren Schwerpunkt der Druck von Lebensmittelverpackungen ist, hauptsächlich dieser Pappschachteln, wie sie etwa für Tiefkühlkost verwendet werden. Kannst du dir vorstellen, aus welchen Gründen das der undankbarste Job gewesen ist, den ich je hatte?

  3. Torsten sagt:

    Ach, du liebe Zeit, diese Arbeitsstelle hätte mich vermutlich in den Wahnsinn getrieben. Da muss man rechtzeitig den Absprung schaffen, sonst ist es um einen geschehen.

  4. Ronald sagt:

    Die Kündigung geschah tatsächlich bald: http://blog.ronaldfilkas.de/2009/04/28/stechuhren/

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