Sack mir, wo die Mühlen sind

Dezentralisierte soziale Netze

2016-09-08 von Torsten in Kategorie Mehlwurm auf’m Turm

Es gibt immer wieder Bemühungen, Alternativen zum Quasimonopolisten Facebook aufzubauen und zu etablieren. Das Aufbauen besteht in viel Programmierarbeit; Interessierte darauf hinzuweisen, ist wahrscheinlich auch nicht das Schwierigste; aber – normale Benutzer (also Nicht-Nerds) dazu zu bewegen, mitzumachen, das ist der Punkt, woran solche Initiativen mehr oder weniger scheitern.

Denn alle sind auf Facebook, weil alle auf Facebook sind. Wir leben in einer Zeit der Plattformen. Ist eine Plattform erst einmal etabliert, führt kaum noch ein Weg daran vorbei. Man sieht das an eBay, Booking.com, Lieferando, Lieferheld, HRS oder AirBnB, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Existierende, aber weniger groß aufgezogene Informations-, Einkaufs- und Buchungsmöglichkeiten werden unter Umständen vom Markt gedrängt.

Doch zurück zu den Sozialen Medien. Es gibt also Alternativen zu Facebook, entweder als dezentralisierte Netze, deren Programmcode sogar offengelegt wird (Open Source bzw. FLOSS, die nicht einem einzelnen Unternehmen oder Konzern gehören, sondern sozusagen niemanden und allen. Es gibt gewöhnlich mehrere Knoten, bei denen man sich anmelden kann. Fällt einer dieser Knoten aus technischen oder sonstigen Gründen weg, besteht das Netzwerk dennoch weiter. Außerdem erhebt kein Unternehmen Anspruch auf die Nutzung der geposteten Daten, anders als etwa bei Facebook. »Deine Daten gehören dir«, lautet das Motto.

Sehr bekannt ist Diaspora. Einer der Knoten (die bei Diaspora Pods genannt werden), ist Geraspora, das sich an deutsche Benutzer wendet. Ich bin dort unter der hübschen und leicht zu merkenden Kennung 662c4e0ae7fe7421 zu finden; allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht gerade sehr aktiv dort bin (aber das bin ich auch nicht auf Twitter oder Facebook oder sonstigen Communities). Nach meinen Erfahrungen ist es recht leicht, bei Geraspora Linux-Fans, Kreative und Linke zu finden.

Kürzlich entdeckt habe ich ein ähnliches dezentrales Netzwerk. Es nennt sich HubZilla und kann eine recht große Anzahl an Hubs vorweisen, wie die Knoten hier genannt werden. Ich habe mich kürzlich bei einem dieser Hubs, nämlich BlaBlaNet Germany, angemeldet. Nach eigenen Aussagen ist BlaBlaNet der Nachfolger der seit einigen Jahren erfolgreichen Plattformen Friendica und RedMatrix. Allerdings muss ich sagen, dass ich enttäuscht war von der geringen Anzahl mich interessierender Teilnehmer. Muss noch mal suchen. Hier mein Profil, falls jemand auch dort mitmachen und sich mit mir befreunden möchte.

Mir stellt sich die Frage nach einer Impressumspflicht. Bei Facebook war ja vor ein paar Jahren großes Trara, denn zumindest gewerbliche Teilnehmer konnten ja aufgrund eines fehlenden Impressums aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abgemahnt werden. Eine Rechtsanwaltskanzlei hat dann eine Möglichkeit geschaffen, wie man auf recht einfache Weise ein Impressum einrichten konnte, und später bot Facebook so etwas wohl selber von Haus aus an, wenn ich mich recht entsinne. Aber bei diesen anderen Plattformen ist so etwas gar nicht vorgesehen. Nach meinem Kenntnisstand gibt es nur sehr wenige Ausnahmen von der Impressumspflicht – es muss sich um einen rein privaten Auftritt handeln und man darf auch als Privatmensch keinerlei geschäftsmäßigen Aktivitäten erkennen lassen, also dürfen zum Beispiel keine Werbebanner vorhanden sein.

So, zum Schluss noch der Hinweis, dass es auch Social-Network-Software zum Selfhosting gibt. Ich habe einige solcher Lösungen getestet und bin mehr oder weniger zufrieden, aber das führt jetzt zu weit hier. Letztlich ist so etwas vergleichbar mit den ganzen Foren, die es früher gab und auch heute noch gibt, aber ein Gegengewicht zu Facebook lässt sich so natürlich nicht errichten. Man kann aber vielleicht ganz gut eine Community um verschiedene Interessensgebiete herum bilden.

Mein Fazit: Es gibt durchaus brauchbare Alternativen zum übermächtigen, datensammelwütigen Facebook, nur tummeln sich unsere ganzen Bekannten nun mal bei Facebook, wenige steigen aus und wechseln, und deswegen bleiben fast alle von uns letzten Endes doch bei Facebook. Und Facebook bleibt die kommerzialisierte, kapitalisierte Arschlochplattform; du als User bist das Schlachtvieh, dessen Daten zu Wurst verarbeitet werden. Du bist das Produkt.

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