Sackmühle

Wir sind so durch den Wind

Faul

2011-06-18 von Torsten in Kategorie Dinkel im Winkel

Ein Lehrer von mir beklagte einst gegenüber meinen Eltern, ihr Sohn, der Torsten (also ich), sei nicht nur faul, sondern stinkend faul. – Nun, ich als fauler Sack hätte mir an Stelle des Lehrers schon eine Silbe gespart und »stinkfaul« statt »stinkend faul« gesagt. Doch sei’s drum.

Die Aussage des Lehrers war auf jeden Fall etwas zu pauschaliert ausgefallen. Denn nicht in allen Dingen bin ich faul. Wenn mich eine Sache stark fesselt, kann ich sogar eine fast un- oder übermenschlich erscheinende Energie in Form eines gewaltigen Fleißes dort hinein stecken. Aber es gibt Dinge, an die es sich meiner Meinung nach nicht lohnt, all zu viel Kräfte zu verschwenden.

Zum Beispiel das Schnüren der Schuhe. Einmal eine schöne Schleife zu binden muss doch genügen. Warum sollte man jedes Mal beim Ausziehen der Schuhe die Schleife lösen, nur um sie beim nächsten Anziehen des Schuhwerks doch wieder neu knoten zu müssen? Ein Schuhanzieher spart hier eine enorme Zeit. Mindestens drei Sekunden. Das mag nicht als viel erscheinen, aber mit anderen Zeitersparnissen addiert und aufs ganze Jahr gerechnet, ergibt sich doch schon eine Menge an Zeit, die man für nützlichere, schönere und wichtigere Dinge verwenden kann.

Natürlich ging es in der Schule nicht ums Schnüren der täglich getragenen Turnschuhe, sondern um relativ überflüssige Dinge wie Geschichte, Erdkunde oder auch Sport. Das Prinzip ist aber dasselbe. Warum sich für Geschichte anstrengen, wenn doch die Vergangenheit nun mal vorbei ist?

Doch hätte es ein Fach gegeben, das mich gehemmtem, langhaarigen jungen Burschen das unbekümmerte Flirten gelehrt hätte, nun, da wäre ich wohl bereit gewesen, einige Anstrengungen auf mich zu nehmen, um ein Meister dieses Fachs zu werden. Denn wie heißt es: Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Da es in der Schule aber darum geht, Zeug zu lernen, das man im späteren Leben nie mehr braucht, so ist doch eine allgemein an den Tag gelegte Lernträgheit nur allzu verständlich.

Tja, so würde ich wohl heutzutage gegenüber jenem Lehrer aus alten Tagen argumentieren. Damals hingegen war ich ein schüchterner und eingeschüchterter Schüler, der sich seiner raffinierten Arbeitsvereinfachungs- oder Aufwandsvermeidungs-Strategien schämte.

Und ein mundfauler noch dazu.

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