Sackmühle

Wir sind so durch den Wind

Tauben ohne Angst

2010-09-13 von Torsten in Kategorie Unterwegs mit Vollkornkeks

Als ich mich gestern anschickte, über eine Brücke zu gehen, unter welcher Eisenbahnschienen verlaufen, bemerkte ich auf dem Stahlgeländer zwei Tauben mit blauen Ringen am Bein. Zahme Tauben also. Und richtig, sie hatten kaum Angst und flogen nicht weg, als ich mich näherte. Sogar als ich stehen blieb und sie anschaute, vielleicht zwei Meter entfernt, wurden sie kaum nervös.

»Nun, ich kann euch niederen Lebewesen schon lehren, was es heißt, Angst zu fühlen, Schmerzen zu empfinden und Leid ertragen zu müssen«, hätte ich denken können. Schließlich fühlt der Mensch sich oft genug als Krone der Schöpfung und nimmt sich das Recht zu jeder möglichen Grausamkeit gegenüber anderen Lebewesen und sogar gegen Artgenossen heraus.

Doch seid beruhigt. Ich bewundere die Schönheit alles Natürlichen und ich wünsche mir – nennt es meinetwegen einen kindlichen Wunsch – eine Welt, in der alles Lebendige den Schutz des Menschen genießt. Diese Tauben sahen übrigens anders aus als die Straßentauben, die man so kennt. Sie waren schlanker und hatten große, wunderschöne Augen, mit denen sie mich fast gänzlich ohne Misstrauen beobachteten.

Ich muss zugeben, ich habe mir trotz meiner tierschützerischen Einstellung dann im Supermarkt eine Packung von in Kräuteröl eingelegtem Matjeshering gekauft. Alle paar Wochen bekomme ich einen ziemlich unstillbaren Appetit auf Fisch. Das Verlangen nach dem Genuss von Fleisch- und Wurstwaren hingegen kann ich momentan besser unter Kontrolle halten. Fällt mir gelegentlich aber auch schwer.

Manchmal stelle ich mir – das verrate ich euch jetzt einfach mal – aber auch vor, wie es wohl für ein Raubtier sein mag, seine Beute zu jagen, zu greifen und zu töten. Das ist bestimmt total spannend. Ich vermute, dass bestimmte Hormone beim Jagen ausgeschüttet werden, die dem jagenden Tier ein Hochgefühl verschaffen. Und wenn man seine Beute dann zerfleischt, so dass das Blut überall herum spritzt – nun ja, ich denke mal, die Raubtiere haben kein schlechtes Gewissen dabei. Ihnen wird es wohl sehr gefallen. Ich ballere am Computer ja auch gern außerirdische, insektoide Invasoren ab und fühle mich gut dabei. Und von Zeit zu Zeit schaue ich mir Vampirfilme und Splattermovies an. Blut ist eben ein besonderer Saft. Ziemlich ambivalent, meine Gedanken und Gefühle, was?

Um auf die Tauben zurück zu kommen: Ich hatte ein bisschen Angst, diese zwei Vögel auf der Brüstung könnten vielleicht depressiv sein und vorhaben, sich beim nächsten anrollenden Zug von der Brücke auf die Gleise zu stürzen.

Ich redete ihnen zu, dies sei doch auch keine Lösung. Wobei ich auf die Schnelle jedoch leider nicht wirklich ein Rezept gegen Weltschmerz parat hatte.

Eine Antwort zu »Tauben ohne Angst«

  1. Tommy sagt:

    Hi, zum Thema Tier als Nahrung und die Ambivalenz zum Leben als Vegetarier empfehle ich allen Interessierten das Buch von J S Foer Tiere essen. Sehr interessant und zum Nachdenken über sein Essverhalten anregend. Berichte nach dem Lesen in meinem Blog darüber!

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