Sackmühle

Kaufe nie die Mühle im Sack

Kinder

2010-06-20 von Torsten in Kategorie Unterwegs mit Vollkornkeks

Vor einiger Zeit, als ich spazieren ging, führte mich mein Weg durch eine Art Minipark, vorbei an kirchlichen Einrichtungen und an einem Kindergarten entlang. Dort, hinter dem Zaun, fragte mich ein Mädchen, wie ich denn hieße, und ich sagte: »Torsten«. Als Antwort erhielt ich die Bemerkung, das sei aber ein komischer Name. Ich musste natürlich lachen und meinte: »Ich kann aber nichts dafür, dass ich so heiße.«

Einige Wochen später steuerte ich wieder auf diesen Park zu, und vor mir hatte schon ein Schulmädchen diesen Weg eingeschlagen. Als ich nun einige hundert Meter hinter ihr her ging, schaute sie sich ängstlich nach mir um und fing an zu laufen. Das tat mir Leid, und ich ging entgegen meiner sonstigen Gewohnheit einfach sehr langsam, um sie nicht weiter zu verängstigen.

Das hat mich ziemlich tief getroffen und mich traurig gemacht. Denn was ist das für eine Welt, in der Kinder Angst vor Erwachsenen haben müssen? Und was ist die Ursache für die entsetzliche Krankheit einer Gesellschaft, die reihenweise Triebtäter und Kinderschänder hervorbringt?

Dann kamen aber wieder schönere, aufbauende Erlebnisse. Neulich auf dem Bürgersteig überholte mich ein kleiner Junge mit seinem Roller, blieb dann aber unvermittelt stehen, sodass ich wiederum ihn überholte. In dem Moment, als ich gerade an ihm vorbei ging, schaute er mich an, und wir beide mussten ein bisschen lachen ob der witzigen Situation. Wir blickten uns für einen winzigen Moment offen in die Augen und lächelten uns gegenseitig an.

Und kürzlich auf der Fußgängertrasse kam mir ein Mädchen auf einem Kinderfahrrad entgegen, und beim Radeln schaute sie vergnügt nach oben gen Himmel, denn es herrschte ein sehr sonniges, freundliches Wetter. Sie hatte einen so glücklichen, fröhlichen Gesichtsausdruck, dass ich von dieser Stimmung einfach angesteckt wurde.

Ja, es gibt wundervolle Menschen, deren Begegnung, so kurz und flüchtig sie auch sein mag, einen mit einem sehr tiefen Gefühl der Freude und Fröhlichkeit erfüllen kann. Ich bin für solche Augenblicke immer sehr dankbar, denn sie sind das, was das Leben lebenswert macht. Und man muss solche Gefühle in sich behalten, sie pflegen, sie kultivieren.

Jesus Christus hat schon gesagt, man könne nicht ins Himmelreich gelangen, wenn man nicht die Eigenschaften eines Kindes hätte. Und im Thomas-Evangelium oder so steht, das himmlische Reich sei inwendig in uns Menschen.

Ja, der Himmel ist nicht bloß irgendwo an einem fremden Ort, wo wir erst zu einer späteren Zeit hin gelangen können. Er ist ein Bewusstseinszustand. Eine Energie. Er ist jetzt hier bei uns, in uns, er durchdringt uns, und wir können ihn wieder zurück nach außen in die Welt strahlen lassen.

Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Wir müssen uns einfach nur öffnen. Wir müssen es einfach nur zulassen.

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