Posts Tagged ‘Tod’

Letzter Tag

Samstag, Dezember 31st, 2011

Am letzten Tag im Jahr oder am Ende einer langen Ära, am letzten Tag meines Lebens oder am Ende aller Zeiten, da regnet es und regnet und regnet, und du sitzt bei mir und sagst, es könne ja nicht immer regnen, und ich antworte, es bedeute doch nichts, es sei doch egal, und du nickst mit dem Kopf und deine Augen sehen traurig aus und du bittest mich, ein letztes Gedicht zu schreiben, ein Gedicht, das keinen Reim mehr hat, keinen Rhythmus, keine Strophen und nur einen Satz, und ich tue dir den Gefallen, mühsam schreibe ich und schreibe und schreibe, bis ich müde werde und den Stift weglege und merke, wie das Denken einfach innerhalb von Minuten verlischt und ich endlich eintauche in das große, tiefe, zeit- und raumlose

Nichts.

Johannes Heesters mit 108 Jahren gestorben

Sonntag, Dezember 25th, 2011

An Heiligabend ist Johannes Heesters mit 108 Jahren gestorben, wie ich gerade bei rga Online gelesen habe. Dabei wollte ich eigentlich nur nachschauen, ob ich bei einem Gewinnspiel etwas gewonnen habe. Habe ich leider nicht.

Nun gut, erst mal ein Zitat, das thematisch gar nicht in diesen Blogartikel passt oder vielleicht doch, was mir – so oder so – momentan allerdings ziemlich gleichgültig ist:
Man mag drei- oder viertausend Menschen gekannt haben, man spricht aber immer nur von sechs oder sieben. – Elias Canetti (* 25. Juli 1905 in Russe, Bulgarien; † 14. August 1994 in Zürich; Schriftsteller und Aphoristiker deutscher Sprache und Literatur-Nobelpreisträger 1981)

Ursprünglich und eigentlich und überhaupt wollte ich jedoch einen Blogartikel schreiben über eine Langspielplatte von Emerson, Lake & Palmer aus einer Zeit, als Tonträger noch schwarz und riesengroß waren und sich noch niemand kleine silberne Rundlinge vorstellen konnte, geschweige denn MP3-Dateien, die man noch nicht einmal irgendwie anfassen kann.

Johannes Heesters würde sich sicherlich an die Langspielplatten erinnern. Wenn er noch leben würde.

Atombombe

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Als ich die Atombombe erfunden hatte, machte ich mir aber doch ein bisschen Sorgen. Was, wenn die in die falschen Hände geriete? Also … in irgendwelche Hände. Zum Beispiel US-amerikanische Militärhände. Millionen Menschen könnten sterben. Andererseits macht es natürlich Spaß, Atombombentests in Wüsten oder Ozeanen zu machen.

Aber was, wenn da Menschen wohnen? Na ja, sind ja nur Wilde. Und hinterher kann man das verharmlosen, was soll’s. Der Bikini, der nach dem Bikini-Atoll benannt wurde, ist doch Bombe! Ist doch atommäßig geil, so ein Teil an den Weibern.

Na ja, trotzdem ist die Atombombe nicht so wirklich was Gutes. Friedliche Atom-Nutzung, ja gut. Das ist ja in Ordnung. Wenn dann trotzdem was passiert, ist das halt Pech, aber nicht gewollt. Ein Restrisiko gibt es immer. Aber die Atombombe ist wirklich übel, das ist schon klar.

Sicher, so ein Atompilz hat eine gewisse Ästhetik. Diese Fotos von solchen Teilen sehen schon irre aus. Man darf halt nicht an den atomaren Niederschlag denken. Ich denke viel über so was nach. Ich hätte die Bombe nie erfinden, nie bauen dürfen.

Andererseits, wenn nicht ich, hätte es jemand anders gemacht. Insofern muss ich mir keine allzu großen Vorwürfe machen. Ja, doch, irgendwie schon. Aber ich kann’s nicht rückgängig machen. Hiroshima, Nagasaki, schlimm, ja, aber ich hab die Bomben schließlich nicht abgeworfen. Das waren andere.

Soldaten. Und Präsident Truman, der den Beschluss gefasst hat. Nicht ich.

Autopsie

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Als ich gestorben war, als ich tot war, wurde ich seziert. Sie suchten nach der Seele. Sie suchten in meinem Bauch, in meinem Hintern, in meinen Genitalien und sogar in meinem Kopf. Aber sie fanden nichts. Da war nichts. Sie fanden nur ein Gehirn, das nun nicht mehr funktionierte. Das nicht mehr denken konnte, nicht mehr fühlen konnte, nichts mehr erleben konnte.

Und was soll das auch sein, eine Seele? Hat ein Computer eine Seele? Ein Gedächtnis schon, ja, und ein Herz, Nervenbahnen, einen Körper, wenn man so will. Central processing unit, random access memory, mother board, battery, cables, case. So ein Zeug. Materie, Elektrizität, Chemie. Kann man das Geist nennen? Kann man das Seele nennen?

Ich bin ein Computer, eine Maschine, eine Maschine. Und ein intelligenter, verrückter Gott hat mich programmiert. Ein seelenloser Gott, ein Maschinengott. Zu seinem Bild und Gleichnis erschaffen.

Ich betete mein Leben lang vergebens zu meinem Vater-Mutter-Programmierer, mich zu einer besseren Maschine zu machen.

Ach, die Wespen

Dienstag, Oktober 25th, 2011

Ach, die Wespen. Sie wollen doch nur der herbstlichen Kälte entfliehen und ein wohlig warmes Zuhause finden. Deswegen dringen sie in meine Wohnung ein. Hier ist es ihnen dann aber zu düster, und so fliegen sie zum Licht, aber vermögen es nicht, das Glas meiner Fensterscheiben zu durchdringen. Dort wuseln sie vergebens umher, bis sie nach Tagen vor Erschöpfung sterben. Bsss, bsss, bsss.

Meine Mutter sagt immer: »Tiere sind nicht doof.« Nun, Insekten schon.

Wespen im Herbst

Montag, Oktober 24th, 2011

Es ist absolut mysteriös: Immer wieder sammeln sich Wespen an meinem Fenster. Es fing an in meinem Arbeitszimmer ungefähr vor einer Woche. Sie waren auf einmal da, an meiner Fensterscheibe, innen. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie sie dort hin gelangt sein könnten. Ich hatte kein Fenster geöffnet, durch das sie in die Wohnung hätten fliegen können.

Sie waren auch nicht im Nebenzimmer, dem Wohnzimmer. Keine einzige. Nur in meinem Arbeitszimmer. Aber immer nur eine einzelne. Als Tierfreund fing ich sie vorsichtig ein, ging ins Treppenhaus, öffnete dort das Fenster und ließ sie frei.

Keine zwanzig Minuten später saß die nächste an meinem Fenster. Die setzte ich auch raus. Nächste Wespe. Raus damit. Und nochmal und nochmal. Bis es mir langsam unheimlich wurde. Ich fand kein Loch in der Mauer, keine undichte Stelle im Fensterrahmen. Nichts.

Ich stellte eine Kamera auf, um festzustellen, wo sie herkamen. Doch da hörte der Spuk auf.

Dafür ging es ein paar Tage später im Schlafzimmer weiter. Dort hatte ich morgens gelüftet, natürlich. Als ich das Fenster wieder schloss, machte sich kein einziges Insekt im Raum bemerkbar. Doch mittags, als ich das Zimmer wieder betrat, waren ungefähr acht Wespen an der Scheibe. Ich ließ sie nach draußen. Abends waren wieder drei dort.

Und am nächsten Tag die nächsten drei. Jetzt war ich es aber langsam leid. Ich war richtig wütend ob dieser Plage und setzte Insektenspray ein. Wie sich die Tierchen dann jeoch im Todeskampf wanden, taten sie mir allerdings sehr Leid. Die Beschreibung auf der Spraydose, es ginge sehr schnell, ist falsch. Es ist kein plötzlicher Tod, es ist eine Agonie. Ich werde das nie wieder tun. Motten im Kleiderschrank damit bekämpfen, ja gut, das schon. Da hört bei mir die Tierliebe dann doch auf.

Wie auch immer: das Erscheinen der Wespen an den Innenflächen meiner Fensterscheiben bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich handelt es sich um Wespen aus einem Paralleluniversum, die irgendwie durch eine Raum-Zeit-Verschiebung oder ein Wurmloch oder so was den Weg in meine Dimension gefunden haben. Oder es sind Emanationen; Ekto-/Teleplasma; Orbs, die mal nicht als Kugeln, sondern eben als Wespen in Erscheinung treten (und sich sogar zeigen, ohne dass man sie mit einer Digitalkamera fotografieren muss); oder ein sonstiger philosophischer, parapsychologischer oder esoterischer Quark.

Ja ja, die Wespen.

Abwärtsspirale

Samstag, Oktober 8th, 2011

Ich sitze auf einer Abwärtsspirale, die sich in einem purpurnen Nebel dreht, immer schneller. Karussell. Karussell. Ich sitze auf einem Plastikpferdchen. Und die gütige, brutale Sonne brennt mir die Augen aus dem Kopf. Schwarz. Dunkelheit. Fallen. Alligatoren beißen mir die Genitalien ab und Affen löffeln mein Gehirn.

Komisch, ich kann noch denken. Ich dachte immer, ohne Gehirn sei das nicht möglich. Maschinentiere reißen mir mein Herz aus und die Nieren und sonst was. Dämonen lachen im Takt. Meine Arme fliegen weg. Mein Stock fällt zu Boden. Jetzt sind im wesentlichen nur noch meine Beine da. Ich wandere im finsteren Tal. Ich fürchte mich. Ich bin dein Unglück. Ich zerfalle zu Staub. Ich verbrenne zu Asche.

Ich werde mich wieder aufschwingen. Die Gunst der Stunde und den Auftrieb einer Aufwärtsspirale nutzen. Nenne mich Phönix.

Pferd ohne Namen

Samstag, August 13th, 2011

Ich ritt auf einem Pferd, das keinen Namen hatte,
durch die Wüste. Das Wasser wurde knapp, das Pferd
ohne Namen starb und ich trank sein Blut. Ein Sturm
zog auf, die Wüste verwandelte sich in ein Meer, ein

Meer aus Blut und Tränen, und ich ertrank. Alle Katzen
versuchten zu fliehen aus dem Raum der Anstalt, in der ich
erwachte. Ich versuchte, sie zu fangen, und sie
verwandelten sich in Pferde ohne Sättel. Ich ritt auf einem

namenlosen Pferd mit Katzenfell durch eine Wüste, vom Leben
zum Tod und zurück. Blutend, aus den Augen blutend und
an den Handgelenken blutend und aus dem Herzen blutend und
durstig, durstig, durstig.

Amy

Donnerstag, August 11th, 2011

Nun ist es schon wieder ein paar Wochen her, seit Amy Winehouse gestorben ist, und die Medien kümmert ihr Tod inzwischen nicht mehr. Nach Michael Jacksons Ableben dauerte der Medienrummel etwas länger.

Übrigens habe ich hier eine doofe Tastatur, an der einige Tasten klemmen, aber das tut eigentlich nichts zur Sache.

Amys Musik gefiel mir zwar größtenteils nicht so richtig gut, aber nachdem ich im Fernsehen einige Reportagen über sie gesehen habe, empfinde ich ihr gegenüber doch einige Sympathie. Und zweifelsohne war sie eine talentierte Soul-Sängerin.

Alkohol, Drogen und vielleicht eine Borderline-Störung haben sie ruiniert – doch seltsamer Weise üben gerade die kaputten Typen eine große Faszination auf die Menschen aus. Wie auch immer, die Fans werden ihr treu bleiben, und bald werden bestimmt unveröffentlichte Aufnahmen, Zusammenschnitte und Best-of-Alben heraus kommen.

Denn ob ein Star lebendig ist oder tot: der Rubel muss rollen. Business as usual.

Über den Kopf

Mittwoch, Juli 13th, 2011

Manchmal wächst einem einfach alles über den Kopf. Zum Beispiel das Gras, wenn man tot ist und unter der Erde liegt. Gut, ich bin jetzt noch nicht tot, sondern stehe voll im Saft, klar.

Aber auch im Leben, oder gerade im Leben, kann einem was über den Kopf wachsen – quasi das Leben selbst und an sich oder als solches. Ja, keine Angst jetzt, das heißt nicht, dass ich tot sein will oder was. Ich meine ja nur. Das Leben ist halt manchmal anstrengend oder so.

Manchmal wachsen einem aber auch die eigenen Kinder über den Kopf. Gute Ernährung (na ja …), gute medizinische Versorgung, gutes Irgendwas, und dann wachsen sie halt mit dem Kopf bis in die Wolken. Und man selbst kommt sich ganz klein dagegen vor.

Gut also, dass ich überhaupt keine Kinder habe. Kann mir das also schon mal nicht passieren. Ich habe noch nicht mal blöde Haustiere. So wie die Nachbarn mit ihren kläffenden Kötern, die hässlich wie die Nacht sind. Mopse oder so’n Zeug, mit kurzen krummen Beinen und eingedötschten Schnauzen. Meine Fresse. Ekelhaft.

Nee, ich habe lediglich Pflanzen. Und die liebe ich auch sehr. Sie machen keine Geräusche, brauchen im Wesentlichen nur Licht und Wasser und fressen nicht irgendein teures Viehzeugfutter aus einem stinkenden Fressnapf-Laden oder wie die heißen.

Leute, ich hab’s doch eigentlich gut. Wenn man es mal so betrachtet.