Posts Tagged ‘Menschen’

Dunkel

Montag, Dezember 12th, 2011

Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Die Leute mögen es lieber, wenn ich lustige, unterhaltsame Sachen schreibe. Dann können sie schmunzeln, dann sind sie amüsiert, und sie fühlen sich wohl, denn dann ist da diese Leichtigkeit, dieses Lachen, diese Helligkeit.

Nun ist es aber so, dass dieses Beschwingte sich bei mir doch nur recht selten einzustellen anschickt. Die Dunkelheit, scheint’s, ist mir viel näher, liegt mir mehr. Und bei jedem Schönen und Fröhlichen spüre ich schon das Ende, das Dunkle, das Traurige.

Meiner Mutter missfiel, als ich Kind war, immer dieses Düstere an mir. Dieser Schatten, der stets mit mir mitgeht, und diese dunkle Wolke, die ständig über mir schwebt. Aber wenn das Dunkle einmal länger ausbleibt und ein heller Tag sich an den anderen reiht, dann fehlt mir etwas, dann fühle ich mich nicht real, nicht authentisch.

Das heißt nicht, dass ich in Gesellschaft nicht fröhlich sein könnte. Dass ich nicht die Menschen mit meiner Anwesenheit erfreuen könnte. Dass ich nicht andere und mich selbst zum Lachen bringen könnte. Nein, so ist es ganz und gar nicht. Die Menschen mögen mich ja gerade deswegen, weil ich so unbekümmert sein kann.

Aber im nächsten Moment schon kann das Böse und Bittere wieder einbrechen. Und dann wieder das Nette, Liebliche. Es wechselt ständig, und ich erscheine widersprüchlich und unergründlich. Sie verstehen mich nicht, die Menschen. Man wird aus mir nicht schlau. Ich weiß nicht, warum sie immer wieder meine Gegenwart suchen.

Vielleicht wegen dieser Ambivalenz.

Sozialquark

Sonntag, November 27th, 2011

So, jetzt werde ich mal diese ganzen überflüssigen Gemeinschafts-Plattformen, oder wie man diesen social stuff nennen soll, wieder abstoßen und meine Konten löschen. Ja gut, jetzt nicht gerade bei Facebook oder dem vielversprechenden Google+. Und ich werde sogar zusätzlich noch das aufstrebende Diaspora (so eine Art Facebook, nur als Open Source) ausprobieren, vielleicht. Nein, ich meine diese unbedeutenden und veralteten Dinger wie meinVZ oder Wer kennt wen.

Und Posterous, nun ja, es ist mir zwar irgendwie sympathisch, weil es so schön aufgeräumt daherkommt. Aber ich kenne keinen, der auch da ist. Und Twitterfeed kann meine Feeds nach dort nicht hochladen. Zu guter Letzt: Bookmarks dort zu speichern via AddThis klappt irgendwie auch nicht besonders gut, das gibt manchmal Zeichen-/Bildersalat.

StayFriends? Ich weiß, ehrlich gesagt, auch da nicht so recht, was ich dort soll. Jo, man trifft alte Klassenkamerad(inn)en wieder. Und was soll ich mit denen anfangen? »Hallo, wie geht’s, was machst du?« – nachdem man sich dreißig Jahre nicht gesehen, angerufen oder geschrieben hat? Da kannst du doch ein Ei drüber schlagen. Und die Mädels, die ich damals zur Schulzeit scharf fand, sehen zwar teilweise immer noch scharf aus, aber sind alle in einer festen Beziehung oder verheiratet oder in einer lesbischen Liaison oder was. Vergiss es.

Ist aber schon komisch, es muss die midlife crisis sein: Wir werden alle älter und älter und sehnen uns nach der Jugend zurück; versuchen irgendwas davon zurückzugewinnen oder festzuhalten oder was weiß ich. Die gute alte Zeit. Die Schulzeit.

Ich jedenfalls fand sie furchtbar. Allerdings habe ich eine ganze Menge netter Leute damals kennengelernt. Und mit einigen wenigen bin ich tatsächlich heute noch befreundet. Ab und zu sieht man sich auch noch.

Im richtigen Leben, Baby. In der wirklichen Welt. Persönlich.

Elf

Samstag, November 12th, 2011

Nicht nur im Fußball ist die Elf eine besondere Zahl, nein auch im Karneval. Gestern, am 11.11., 11 Uhr 11, hat wieder die närrische Zeit begonnen, und dazu noch im Jahr ’11, genauer gesagt: 2011.

Helau und Alaaf, Radau und kein Schlaf! Jetzt wollen wir wieder fröhlich und lustig sein und überhaupt! Wider den tierischen Ernst und den menschlichen Frust und den göttlichen Hanswurst – jetzt dürfen wir doch alle mal Narren und Jecken und Idioten sein, wo wir doch sonst nie wir selbst sein dürfen, wir Volltrottel!

Also hoch die Tassen und Gläser und Flaschen, ihr Flaschen, die ihr fast ein ganzes Jahr lang nicht ihr selbst seid. Nun könnt ihr für eine kurze Weile mal jemand anders, mal etwas Anderes, mal etwas anders sein. Bedauernswerte Kreaturen, ihr!

Ihr selbst seid ihr nie, scheint’s.

Gewinnspiele

Donnerstag, September 22nd, 2011

Menschen gewinnen gern Dinge. Deshalb machen sie bei Gewinnspielen mit. Ich auch. Meistens muss man für irgendwas abstimmen oder Fragen beantworten oder einen Kommentar schreiben, um an der Verlosung teilzunehmen. Gute Sache, das.

Doch warum, um alles in der Welt, schicken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überall Mitteilungen rund, um andere Menschen über solch ein Gewinnspiel zu informieren? Da werden Tausende und Abertausende von Meldungen über Twitter, Facebook und über was-weiß-ich-nicht-was-für Dienste verschickt. Damit die ganze Welt von dem Gewinnspiel erfährt.

Aber sonst seid ihr klar im Oberstübchen, oder? Jeder zusätzliche Teilnehmer vermindert doch die eigene Gewinnchance! Wo hast du wohl größere Chancen, zu gewinnen? Bei einer Verlosung, wo hundert andere Menschen mitmachen oder bei einer, wo es hunderttausend Teilnehmer gibt?

Ich habe gerade bei einer Umfrage mitgemacht, bei der man ein iPad 2 gewinnen kann. Und niemandem, ich schwöre es, niemandem habe ich Genaueres weitererzählt.

Fünfzig

Mittwoch, Juni 22nd, 2011

Nun bin ich fünfzig, und nichts ändert sich. Mit vierzig hat sich auch schon nichts geändert. Vergebens zu hoffen, irgend etwas würde sich schlagartig zum Besseren wenden, zum Guten. Die Menschheit steht schließlich auch noch immer am selben Punkt wie vor Tausenden von Jahren. Von ein paar technischen Errungenschaften und wissenschaftlichen Erkenntnissen mal abgesehen.

Und jetzt die positive Variante:

… Ähm, tja. Bin für Anregungen und Tipps dankbar.

Programm

Dienstag, Mai 31st, 2011

Mein Gehirn
ist ein Computer
in meinem Gehirn
läuft ein Computerprogramm ab

Ich handele wie ich handele
ich kann nicht anders
jemand hat mich beschissen programmiert
garbage in – garbage out

Ich beobachte wie ich handele
aber ich weiß nicht wer ich bin
ich weiß nicht was ich bin
vermutlich so eine Scheiß-Bio-

Maschine

Therapie

Sonntag, Mai 22nd, 2011

Reden wir über Schuld.
Reden wir über Verantwortung.
Reden wir über Tränen, über Reue,
über Dinge, die nicht wieder
gutzumachen sind.
Über Fehler.
Wir sind Menschen, wir machen Fehler.
Manchmal immer wieder dieselben.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht;
sondern das Böse, das ich nicht will,
das tue ich.
(Römer 7, Vers 19)

König der Scharfmacher

Sonntag, Mai 8th, 2011

Cesare Aspes ist ein Unternehmer aus Wuppertal, der sich in Afrika engagiert. Er sagt: »Wenn Sie gesehen haben, wie die Menschen beinahe vor Ihren Augen verhungern, vergessen Sie das nie.«

Er lässt in Afrika sehr edle Chilis anbauen, die in Europa zu hohen Preisen verkauft werden können. Die größere Gewinnspanne lässt Herr Aspes den anbauenden Bauern zugute kommen. Nun müssen sie nicht mehr an der Armutsgrenze leben, sondern können ein menschenwürdiges Leben führen. Das zeigt, dass sich Gewinnorientierung und Entwicklungshilfe nicht widersprechen müssen.

König der Scharfmacher

Böse Frösche aus dem Sumpf

Dienstag, April 19th, 2011

Neulich sah ich auf Tele 5 einen Science-Fiction-Film von 1972. Man könnte ihn auch als einen Öko-Horrorfilm bezeichnen.

Um es kurz zusammenzufassen: Die auf einer tropischen Insel lebenden, hochzivilisierten bis dekadenten Menschen verschmutzten massiv die Umwelt, und die Frösche organisierten mit viel Gequake einen Rachefeldzug der Urwald- und Sumpftiere.

Daher waren auch nicht die Frösche die Bösen, sondern die rücksichtslosen Menschen. So weit, so gut.

Doch der Film war Quatsch. Die Natur rächt sich nicht, Frösche sind nicht so intelligent, einen Aufstand planen zu können und die »Sprache« der Frösche wird sicherlich nicht von Spinnen, Schlangen und Echsen verstanden.

Nein, gegen die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen unternimmt weder ein Gott noch ein Tier noch eine Naturgewalt etwas. Wir Menschen werden von nichts in die Schranken gewiesen. Wir können nur durch eigene Einsicht, das Eindämmen unserer Raffgier und die Wiedererlangung der Ehrfurcht vor der Schöpfung den Planeten vor uns selbst beschützen.

Eigentlich recht einfach. Sollte man meinen.

Affen und Terrorismus

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Ja, das war ja gestern eine interessante Sendung im NDR über den RAF-Terroristen Andreas Baader. Die politischen Hintergründe wurden zwar nicht sehr tiefgehend beleuchtet, aber die Stimmung der späten sechziger und frühen siebziger Jahre wurde anhand alten Filmmaterials gut vermittelt. Und es sollte ja auch mehr um die Persönlichkeit und den Werdegang Baaders gehen. Gut fand ich, dass nicht nur die Brutalität der Terroristen, sondern auch die der bundesdeutschen Exekutive gezeigt wurde. Man könnte es sogar so sehen, dass letztere den RAF-Terrorismus erst hat entstehen lassen.

Heute kommt auch wieder was auf NDR, das mich interessiert. Diesmal ist es nichts Politisches, sondern etwas aus dem Tierreich. Und zwar geht es um Affen. Das sind die Tiere, deren Erbmaterial weitgehend dem menschlichen gleicht. Und so soll in der Sendung gezeigt werden, dass Affen teilweise ähnlich wie Menschen handeln und fühlen.

Mal sehen, ob sich irgendwo in der Affenwelt auch so eine Art Rote-Armee-Fraktion gebildet hat.