Ja, Lost ist nun zu Ende, und ich bin von der Sucht befreit, mir das anschauen zu wollen/müssen. Zugegeben, die Schauspieler haben ihre Rollen so gespielt, dass man die meisten Charaktere ziemlich klasse fand; gute Leistung also.
Aber die Story? Sechs Staffeln, nur um am Ende zu sagen, dass wir alle nach dem Tod irgendwie weiterleben in so einer Art anderer Dimension und dass wir dort alle wiedertreffen, die in unserem Leben eine Rolle gespielt haben? Puh. Dieses – nüchtern betrachtet – etwas unglaubwürdige Versprechen macht uns doch so ziemlich jede Kirche, damit wir auch schön unsere Kirchensteuer bezahlen, ordentlich Knete in den Klingelbeutel werfen und ansonsten bitteschön von eigenständigen Gedanken und Weltanschauungen Abstand nehmen.
Und im Falle von Lost et cetera sollen wir – ja, ich geb’s zu: so wie ich – jede Folge anschauen, damit durch die zwischendurch geschaltete Werbung Einnahmen erzeugt werden. Und wer Werbung hasst, kann und soll die DVD-Boxen kaufen. Gut, dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden, denn Geld verdienen wollen wir schließlich alle. Ja, wir wollen; aber nicht alle von uns schaffen es auch besonders gut. Denn natürlich verdienst du nicht wirklich viel Geld, wenn du bei Lidl, McDonalds, KiK, einer Zeitarbeitsfirma (jo, Personalüberlassung heißt es in schick) oder ähnlichen Ausbeuterunternehmen arbeitest. Es sei denn, du bist der gewissenlose Oberfuzzi davon.
Wie auch immer, kurz gesagt, die Fernsehwerbung gefällt mir fast noch besser als die doofen Sendungen dazwischen. Und seid versichert, Freunde der Nacht: Ich glaube an den roten Coca-Cola-Weihnachtsmann. Und sein roter, roter Truck steuert geradewegs auf mich zu, reißt mich zu Boden, schleift mich fünfzig Meter weit mit, bis ich hilflos auf der eisigen Straße liegenbleibe.
Und das Blut strömt aus meinem Körper, ich liege in einem Meer aus Blut, und der rote, rote Schnee schmeckt nach Eisen, mein Blut schmeckt nach Eisen, und ich spüre, wie langsam, fast trödelnd, das Leben aus meinem Körper entweicht. Und meine Gedanken werden wirr, immer undeutlicher; doch ein Gedanke ist sehr klar: Es war alles nur eine Art Traum, dieses Leben, völlig unbedeutend, mein Leben, völlig sinnlos und überflüssig. Und es wird kein Licht geben, hoho, keine Menschen, die ich wiedersehe, und einfach gar nichts, wie in einer Vollnarkose. Und ich lache.
Und ich genieße es.