Archive for the ‘Unterwegs mit Vollkornkeks’ Category

Betrunkene, lärmende Menschen

Sonntag, April 29th, 2012

Ich mag betrunkene und dabei lärmende Menschen nicht so richtig. Also, eigentlich gar nicht. Heute Abend im Zug habe ich aber versucht, das locker zu nehmen, denn nett waren die Menschen trotzdem. Also, trotz Trunkenheit und Lärm.

Natürlich hätte ich lieber meine Ruhe gehabt und meinen Gedanken nachgehangen. Doch was soll man sich aufregen? Es nützt ja nichts. Versteht mich nicht falsch: ich habe nichts gegen betrunkene Leute. Aber ich mag es nicht, wenn sie sich dann nicht gepflegt und unauffällig zu benehmen wissen.

Auch unbetrunkene Leute können mich natürlich nerven: einfach, weil sie da sind. Einfach, weil sie sich unterhalten. Ich will diese stumpfsinnigen Gespräche nicht hören. Diese Banalitäten. Ich will aber auch keinen Kopfhörer aufsetzen und Musik hören. Das finde ich doof. Ich will der Stille lauschen und dem dezenten und monotonen Rattern der Eisenbahn. Ich will aus dem Fenster schauen und meine eigenen stillen Gedanken hören und nicht dieses laute Gequatsche. Noch mehr hasse ich nur: Telefonieren in der Öffentlichkeit.

Aber was mir aufgefallen ist: betrunkene, lärmende Menschen telefonieren wenigstens nicht.

Sauwetter

Sonntag, April 15th, 2012

Gestern war Samstag, das Wetter war recht schön, und so ging ich am frühen Nachmittag nach draußen zum Spazieren.

Am späten Nachmittag regnete es allerdings, und ich wurde nass. Zu einer alten Frau, der ich begegnete, sagte ich in gebrochenem Remscheider Platt: »Wat ess dat ne Sauwehder!«

Sie erwiderte etwas, wir blieben stehen und wechselten ein paar Worte. Das fand ich schön.

Es ist so einfach, für einen Moment lang einen Menschen ein wenig glücklich zu machen und selbst ein wenig glücklich zu sein.

Vor Regen schützen ohne zu schwitzen (Teil 2)

Donnerstag, Mai 19th, 2011

Was ich gestern eigentlich sagen wollte, ist Folgendes:

Ich weiß einfach manchmal nicht, wie ich mich auf eine sinnvolle und ästhetische Art und Weise vor dem Regenwetter bei gleichzeitig recht hohen Temperaturen schützen soll.

Unter der Wetterjacke schwitze ich, weil sie aus so einem ekelhaften Synthetik-Material ist (angeblich atmungsaktiv); einen Regenschirm finde ich unhandlich und lästig; die Lederjacke ist inzwischen zu schäbig, zu abgenutzt und abgetragen; eine Schirmmütze sieht irgendwie – nun ja, sagen wir mal: unfein – aus. Ich bin schließlich ein Gentleman, kein Straßenasi oder Lumpenprolet.

Was also soll man tun, um sich bei recht hohen Temperaturen vor Regen zu schützen?

Hut? – Ja, wäre eine Möglichkeit. Es gibt sogar eine Hutmacherin in meiner Nähe. Allerdings – ob ich nun wirklich so der Hut-Typ bin?

Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Vor Regen schützen ohne zu schwitzen

Mittwoch, Mai 18th, 2011

Ach, im diesjährigen Mai herrscht ja völlig verrücktes Aprilwetter. Man weiß manchmal nicht, was man anziehen soll.

Ich so neulich, ne, pass auf, da war ich zum Einkaufen gegangen und hatte meinen Anorak oder Parka oder wie man so was nennt, also so eine Wind-und-Wetter-Jacke, angezogen. Es war einigermaßen warm, eigentlich hätte ich mich mit T-Shirt und Hemd darüber bekleiden können, aber es nieselte etwas. Deswegen die Jacke mit ihrer Kapuze.

Aber ich, ne, jetzt pass auf, ich kam da unter der blöden Jacke so voll ans Schwitzen irgendwie. Hab ich also den Reißverschluss runtergerissen und mir schön den Wind aufs Polo-Hemd blasen lassen. Ja stimmt, ich hatte gar kein T-Shirt an, sondern ein schickes Polohemd.

Es war aber eben nicht nur windig, sondern auch noch regnerisch, und ein feuchtes Hemd auf dem Leib zu tragen ist eine ziemlich unschöne Angelegenheit. Ich also Jacke wieder zu und so, Kapuze runter, Kapuze wieder drüber über die Birne und immer so hin und her, weil alles irgendwie doof war.

Und dann, ne, pass auf, also als ich dann wieder so voll bei mir zu Hause war, mit vollgepackter Einkaufstasche und so, da war ich echt froh. Daheim ist es doch immer schön trocken und meistens auch nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Ja okay, ne, also jetzt mal von der Dusche abgesehen.

Antriebslosigkeit

Sonntag, April 3rd, 2011

Nach einer kleinen beruflichen Reise ins Emsland von Freitag auf Samstag fühle ich mich an diesem Wochenende irgendwie antriebslos. Normalerweise arbeite ich am Samstag und Sonntag immer wenigstens fünf Stunden oder so, aber diesmal – boh, voll keine Lust.

Natürlich weiß ich, dass Körper und Geist auch mal Ruhe brauchen, aber wenn man an fünf Tagen sein Pensum nicht schafft als Freiberufler, was soll man machen?

Falls Paris Hilton oder eine andere reiche Göre das hier liest: Baby, ich hab’ nichts dagegen, einfach mal ein Jahr lang auf einer sonnigen Insel herumzulungern und auf Kosten deines reichen Daddy zu leben. Oder auf deine Kosten – ist mir ganz egal. Du musst auch nicht hübsch oder intelligent sein, ich will ja nur dein Geld, sonst nichts!

Bitte melde dich!

Tauben ohne Angst

Montag, September 13th, 2010

Als ich mich gestern anschickte, über eine Brücke zu gehen, unter welcher Eisenbahnschienen verlaufen, bemerkte ich auf dem Stahlgeländer zwei Tauben mit blauen Ringen am Bein. Zahme Tauben also. Und richtig, sie hatten kaum Angst und flogen nicht weg, als ich mich näherte. Sogar als ich stehen blieb und sie anschaute, vielleicht zwei Meter entfernt, wurden sie kaum nervös.

»Nun, ich kann euch niederen Lebewesen schon lehren, was es heißt, Angst zu fühlen, Schmerzen zu empfinden und Leid ertragen zu müssen«, hätte ich denken können. Schließlich fühlt der Mensch sich oft genug als Krone der Schöpfung und nimmt sich das Recht zu jeder möglichen Grausamkeit gegenüber anderen Lebewesen und sogar gegen Artgenossen heraus.

Doch seid beruhigt. Ich bewundere die Schönheit alles Natürlichen und ich wünsche mir – nennt es meinetwegen einen kindlichen Wunsch – eine Welt, in der alles Lebendige den Schutz des Menschen genießt. Diese Tauben sahen übrigens anders aus als die Straßentauben, die man so kennt. Sie waren schlanker und hatten große, wunderschöne Augen, mit denen sie mich fast gänzlich ohne Misstrauen beobachteten.

Ich muss zugeben, ich habe mir trotz meiner tierschützerischen Einstellung dann im Supermarkt eine Packung von in Kräuteröl eingelegtem Matjeshering gekauft. Alle paar Wochen bekomme ich einen ziemlich unstillbaren Appetit auf Fisch. Das Verlangen nach dem Genuss von Fleisch- und Wurstwaren hingegen kann ich momentan besser unter Kontrolle halten. Fällt mir gelegentlich aber auch schwer.

Manchmal stelle ich mir – das verrate ich euch jetzt einfach mal – aber auch vor, wie es wohl für ein Raubtier sein mag, seine Beute zu jagen, zu greifen und zu töten. Das ist bestimmt total spannend. Ich vermute, dass bestimmte Hormone beim Jagen ausgeschüttet werden, die dem jagenden Tier ein Hochgefühl verschaffen. Und wenn man seine Beute dann zerfleischt, so dass das Blut überall herum spritzt – nun ja, ich denke mal, die Raubtiere haben kein schlechtes Gewissen dabei. Ihnen wird es wohl sehr gefallen. Ich ballere am Computer ja auch gern außerirdische, insektoide Invasoren ab und fühle mich gut dabei. Und von Zeit zu Zeit schaue ich mir Vampirfilme und Splattermovies an. Blut ist eben ein besonderer Saft. Ziemlich ambivalent, meine Gedanken und Gefühle, was?

Um auf die Tauben zurück zu kommen: Ich hatte ein bisschen Angst, diese zwei Vögel auf der Brüstung könnten vielleicht depressiv sein und vorhaben, sich beim nächsten anrollenden Zug von der Brücke auf die Gleise zu stürzen.

Ich redete ihnen zu, dies sei doch auch keine Lösung. Wobei ich auf die Schnelle jedoch leider nicht wirklich ein Rezept gegen Weltschmerz parat hatte.

Die vorbei gehende Frau

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Der Anblick einer schönen Frau kann einen heterosexuell veranlagten Mann ganz schön verrückt machen. Jedoch, meine Damen: kein Minirock, keine wallenden Haare, keine noch so glänzenden Augen wirken so heftig, so unmittelbar und so nachhaltig auf die Emotionen, Gedanken und die Libido eines Mannes wie ein aufregender Duft – zumindest in meinem Fall.

Es war schönes Wetter, ich kam aus der Innenstadt und ging die baumreiche Straße entlang, die ich so mag. Da kam mir eine Frau entgegen, die schon von Weitem mein Interesse weckte, auch wenn ich sie noch gar nicht recht erkennen konnte. Es muss wohl ihr Gang gewesen sein: selbstbewusst, sehr gerade und aufrecht, dabei aber äußerst lässig.

Dann, in dem kurzen Augenblick, als wir gerade aneinander vorbei gingen, blickten wir uns kurz an. Die Dame hatte ein sehr interessantes Gesicht, ein wenig exotisch vielleicht, dunkle Haare, glatte Haut, ovale Kopfform. Ich weiß gar nicht, ob ich ihr Gesicht wirklich als hübsch bezeichnen würde, aber da war so ein Ausdruck, der mich einfach hinriss.

Doch erst als wir schon wieder ein paar Meter voneinander entfernt waren, bemerkte ich ihren Duft. Sie trug ein süßliches Parfüm, das dabei aber völlig unaufdringlich war, leicht, nicht so was furchtbar vanille-kokos-moschusartiges, das bisweilen schon primitiv wirken kann. Nein, es muss ein sehr guter, edler, teurer Duft gewesen sein. Fast wie speziell für sie kreiert.

Und dieser Duft traf mich wie ein gewaltiger Donnerschlag. Ich drehte mich um – doch sie ging stolz und langsam ihres Wegs. »Hätten Sie nur einen kurzen Satz zu mir gesagt, mich vielleicht nach dem Weg gefragt oder mich gebeten, mit Ihnen einen Kaffee trinken zu gehen …«, dachte ich.

Und nein, es war nicht einfach nur ein sexuelles Verlangen, es war viel mehr: der Wunsch, diese Frau kennen zu lernen, sie zu erforschen, mich von ihr verzaubern zu lassen; es waren Fragen wie: »Wer bist du, wie heißt du, was denkst du, wie fühlst du, was magst du und was verabscheust du?«

Ich werde das alles nie erfahren, schätze ich. Und vielleicht ist das besser so, wer weiß. Vielleicht wäre alles ganz gewöhnlich gewesen: sie eine gewöhnliche Frau und ich ein gewöhnlicher Mann. Vielleicht hätte ich nichts Ersehntes gefunden. Keine Seelenverwandschaft. Kein Für-einander-geschaffen-sein. Keine Schwüre der ewigen Liebe und Treue. Nichts.

Vielleicht. Wer weiß.

Kinder

Sonntag, Juni 20th, 2010

Vor einiger Zeit, als ich spazieren ging, führte mich mein Weg durch eine Art Minipark, vorbei an kirchlichen Einrichtungen und an einem Kindergarten entlang. Dort, hinter dem Zaun, fragte mich ein Mädchen, wie ich denn hieße, und ich sagte: »Torsten«. Als Antwort erhielt ich die Bemerkung, das sei aber ein komischer Name. Ich musste natürlich lachen und meinte: »Ich kann aber nichts dafür, dass ich so heiße.«

Einige Wochen später steuerte ich wieder auf diesen Park zu, und vor mir hatte schon ein Schulmädchen diesen Weg eingeschlagen. Als ich nun einige hundert Meter hinter ihr her ging, schaute sie sich ängstlich nach mir um und fing an zu laufen. Das tat mir Leid, und ich ging entgegen meiner sonstigen Gewohnheit einfach sehr langsam, um sie nicht weiter zu verängstigen.

Das hat mich ziemlich tief getroffen und mich traurig gemacht. Denn was ist das für eine Welt, in der Kinder Angst vor Erwachsenen haben müssen? Und was ist die Ursache für die entsetzliche Krankheit einer Gesellschaft, die reihenweise Triebtäter und Kinderschänder hervorbringt?

Dann kamen aber wieder schönere, aufbauende Erlebnisse. Neulich auf dem Bürgersteig überholte mich ein kleiner Junge mit seinem Roller, blieb dann aber unvermittelt stehen, sodass ich wiederum ihn überholte. In dem Moment, als ich gerade an ihm vorbei ging, schaute er mich an, und wir beide mussten ein bisschen lachen ob der witzigen Situation. Wir blickten uns für einen winzigen Moment offen in die Augen und lächelten uns gegenseitig an.

Und kürzlich auf der Fußgängertrasse kam mir ein Mädchen auf einem Kinderfahrrad entgegen, und beim Radeln schaute sie vergnügt nach oben gen Himmel, denn es herrschte ein sehr sonniges, freundliches Wetter. Sie hatte einen so glücklichen, fröhlichen Gesichtsausdruck, dass ich von dieser Stimmung einfach angesteckt wurde.

Ja, es gibt wundervolle Menschen, deren Begegnung, so kurz und flüchtig sie auch sein mag, einen mit einem sehr tiefen Gefühl der Freude und Fröhlichkeit erfüllen kann. Ich bin für solche Augenblicke immer sehr dankbar, denn sie sind das, was das Leben lebenswert macht. Und man muss solche Gefühle in sich behalten, sie pflegen, sie kultivieren.

Jesus Christus hat schon gesagt, man könne nicht ins Himmelreich gelangen, wenn man nicht die Eigenschaften eines Kindes hätte. Und im Thomas-Evangelium oder so steht, das himmlische Reich sei inwendig in uns Menschen.

Ja, der Himmel ist nicht bloß irgendwo an einem fremden Ort, wo wir erst zu einer späteren Zeit hin gelangen können. Er ist ein Bewusstseinszustand. Eine Energie. Er ist jetzt hier bei uns, in uns, er durchdringt uns, und wir können ihn wieder zurück nach außen in die Welt strahlen lassen.

Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Wir müssen uns einfach nur öffnen. Wir müssen es einfach nur zulassen.

Marathon

Montag, September 21st, 2009

Die Frau eines Freundes von mir läuft Marathon. Wie viel ist das? 40 Kilometer oder so, ich weiß es nicht genau, ich bin nämlich nicht gerade besonders bewandert auf dem Gebiet des Sports. Dafür verstehe ich halt was vom Schlafen und ich habe manchmal sogar luzide Träume. Schau bei Wikipedia nach, wenn du nicht weißt, was das ist.

Nicht dass ich allzu schlecht zu Fuß wäre. Nein, ich kann auch stundenlang durch die Wälder des Bergischen Landes, meiner Heimat, laufen. Aber eben nicht im Eiltempo. Und ich habe es am liebsten, wenn ich dann möglichst keinem Menschen begegne. Im Pulk mit Tausenden anderen Menschen so wie beim Marathonlauf, das würde mir keinen Spaß machen.

Und ich habe auch immer meinen Fotoapparat dabei. Es gibt doch immer wieder Motive. Tiere auf der Weide, knorrige Bäume, Sonnenlicht, das durch die Blätter scheint. Licht ist überhaupt das, was einem Bild erst den richtigen Reiz verleiht, die Emotion, das Wow.

Ein Wow-Erlebnis hast du natürlich auch, wenn du beim Marathon das Ziel erreicht hast. Dieses Erlebnis werde ich nie haben.

Reise

Montag, August 3rd, 2009

Ach, das Geld. Manchmal sagen mir Freunde, dass sie dieses Jahr nicht verreisen können und dass sie das sehr bedauern. Ja, es ist tatsächlich schade, denn fremde Länder oder auch schöne Gegenden im Inland zu sehen, das ist ja wirklich etwas Tolles. Und man muss eben auch einfach mal raus.

Nun gut, wenn es nicht geht, dann kann man immer noch in der Nähe des Wohnortes etwas unternehmen. Wälder, Seen, Schwimmbäder, Museen, diese Dinge gibt es ja eigentlich überall in Deutschland.

Die verrücktesten Sachen erlebt man allerdings bei der Reise nach innen. Also nachts, wenn man träumt. Heute Morgen war mal wieder mein ganzes Zimmer voller Spinnen, also im Traum. Ich mit meiner Spinnenphobie. Besonders unter dem Kleiderschrank hatten sie sich angesiedelt. Ekelhaft. Furcht erregend. Absoluter Horror. Mein herbeigerufener Vater fing ganz beherzt die größte von ihnen mit der bloßen Hand und trug sie hinaus. Ja, das war schon viel Wert, doch wie viele mochten wohl noch in meinem Raum sein?

Gut, wenn man endlich aufwacht. Von so einer Reise durch die Innenwelt kehrt man gern zurück.

Das ist der Unterschied zum Urlaub.