Archive for the ‘Dinkel im Winkel’ Category

Atombombe

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Als ich die Atombombe erfunden hatte, machte ich mir aber doch ein bisschen Sorgen. Was, wenn die in die falschen Hände geriete? Also … in irgendwelche Hände. Zum Beispiel US-amerikanische Militärhände. Millionen Menschen könnten sterben. Andererseits macht es natürlich Spaß, Atombombentests in Wüsten oder Ozeanen zu machen.

Aber was, wenn da Menschen wohnen? Na ja, sind ja nur Wilde. Und hinterher kann man das verharmlosen, was soll’s. Der Bikini, der nach dem Bikini-Atoll benannt wurde, ist doch Bombe! Ist doch atommäßig geil, so ein Teil an den Weibern.

Na ja, trotzdem ist die Atombombe nicht so wirklich was Gutes. Friedliche Atom-Nutzung, ja gut. Das ist ja in Ordnung. Wenn dann trotzdem was passiert, ist das halt Pech, aber nicht gewollt. Ein Restrisiko gibt es immer. Aber die Atombombe ist wirklich übel, das ist schon klar.

Sicher, so ein Atompilz hat eine gewisse Ästhetik. Diese Fotos von solchen Teilen sehen schon irre aus. Man darf halt nicht an den atomaren Niederschlag denken. Ich denke viel über so was nach. Ich hätte die Bombe nie erfinden, nie bauen dürfen.

Andererseits, wenn nicht ich, hätte es jemand anders gemacht. Insofern muss ich mir keine allzu großen Vorwürfe machen. Ja, doch, irgendwie schon. Aber ich kann’s nicht rückgängig machen. Hiroshima, Nagasaki, schlimm, ja, aber ich hab die Bomben schließlich nicht abgeworfen. Das waren andere.

Soldaten. Und Präsident Truman, der den Beschluss gefasst hat. Nicht ich.

Autopsie

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Als ich gestorben war, als ich tot war, wurde ich seziert. Sie suchten nach der Seele. Sie suchten in meinem Bauch, in meinem Hintern, in meinen Genitalien und sogar in meinem Kopf. Aber sie fanden nichts. Da war nichts. Sie fanden nur ein Gehirn, das nun nicht mehr funktionierte. Das nicht mehr denken konnte, nicht mehr fühlen konnte, nichts mehr erleben konnte.

Und was soll das auch sein, eine Seele? Hat ein Computer eine Seele? Ein Gedächtnis schon, ja, und ein Herz, Nervenbahnen, einen Körper, wenn man so will. Central processing unit, random access memory, mother board, battery, cables, case. So ein Zeug. Materie, Elektrizität, Chemie. Kann man das Geist nennen? Kann man das Seele nennen?

Ich bin ein Computer, eine Maschine, eine Maschine. Und ein intelligenter, verrückter Gott hat mich programmiert. Ein seelenloser Gott, ein Maschinengott. Zu seinem Bild und Gleichnis erschaffen.

Ich betete mein Leben lang vergebens zu meinem Vater-Mutter-Programmierer, mich zu einer besseren Maschine zu machen.

Dunkel

Montag, Dezember 12th, 2011

Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Die Leute mögen es lieber, wenn ich lustige, unterhaltsame Sachen schreibe. Dann können sie schmunzeln, dann sind sie amüsiert, und sie fühlen sich wohl, denn dann ist da diese Leichtigkeit, dieses Lachen, diese Helligkeit.

Nun ist es aber so, dass dieses Beschwingte sich bei mir doch nur recht selten einzustellen anschickt. Die Dunkelheit, scheint’s, ist mir viel näher, liegt mir mehr. Und bei jedem Schönen und Fröhlichen spüre ich schon das Ende, das Dunkle, das Traurige.

Meiner Mutter missfiel, als ich Kind war, immer dieses Düstere an mir. Dieser Schatten, der stets mit mir mitgeht, und diese dunkle Wolke, die ständig über mir schwebt. Aber wenn das Dunkle einmal länger ausbleibt und ein heller Tag sich an den anderen reiht, dann fehlt mir etwas, dann fühle ich mich nicht real, nicht authentisch.

Das heißt nicht, dass ich in Gesellschaft nicht fröhlich sein könnte. Dass ich nicht die Menschen mit meiner Anwesenheit erfreuen könnte. Dass ich nicht andere und mich selbst zum Lachen bringen könnte. Nein, so ist es ganz und gar nicht. Die Menschen mögen mich ja gerade deswegen, weil ich so unbekümmert sein kann.

Aber im nächsten Moment schon kann das Böse und Bittere wieder einbrechen. Und dann wieder das Nette, Liebliche. Es wechselt ständig, und ich erscheine widersprüchlich und unergründlich. Sie verstehen mich nicht, die Menschen. Man wird aus mir nicht schlau. Ich weiß nicht, warum sie immer wieder meine Gegenwart suchen.

Vielleicht wegen dieser Ambivalenz.

Dackel

Samstag, November 26th, 2011

Mir fällt auf, dass ich oft von Tieren träume.

Letzte Nacht befand ich mich im Traum wohl in so einer Art Tierzuchtstation. Da wurden Tiere – Hunde, Katzen, was weiß ich – wie am Fließband produziert, was ich nicht gerade toll fand. Aber dann drückte mir die Züchterin ein Hundebaby in den Arm. Es war ein Dackel.

Das ist nun nicht gerade meine Lieblingshunderasse. Aber ich gewann das kleine, freundliche Wesen gleich lieb. Und dann wachte ich wohl auf oder träumte was anderes.

Komischer Traum. Keine Reflexion von irgendetwas Erlebtem, keine Problemverarbeitung oder was, auch nichts anderweitig besonders Bewegendes. Was soll ich nun mit diesem Traum anfangen? Immerhin war er nicht so bedeutungslos, dass ich nicht darüber nachdenken muss. Und gerade das macht mich ja so verrückt.

Die Horrorträume machen es einem da leichter. Man wacht erschrocken auf, sagt sich, dass ja zum Glück alles nur ein Traum war und fertig, das war’s. Aber über Träume mit Tieren oder Menschen oder Engeln muss ich immer nachdenken.

Hoffentlich kommt heute mal wieder ein schöner Albtraum, aus dem ich aufschrecke, geweckt von meinen eigenen Schreien, schweißnass. Das ist doch famos. Ich liebe es.

Dualität

Samstag, November 12th, 2011

Ich bin zu sehr zum Tagmenschen geworden, immer voll bewusst, immer rational, immer nüchtern und sachlich, immer gut. Ich habe die Augen weit aufgerissen, um das Licht zu sehen, um die Dunkelheit nicht ertragen zu müssen, um den letzten und schwächsten Schimmer noch in mich aufzusaugen.

Ich habe die andere Seite vernachlässigt. Und mit aller Gewalt krallte die Nacht nach mir, fiel das Dunkle über mich her, schluckte mich der Abgrund, riss das Böse mir das Herz aus. Ich hatte die dunkle Seite gehasst, ich hatte ein Engel sein wollen und bin dabei zum Teufel geworden, zum Dämon, zum Ungeheuer.

Ich werde die Nacht zelebrieren, und meine Tage werden heller sein.

Hexenstunde

Mittwoch, November 9th, 2011

Ich bin auf einer Reise, die eine Stunde dauert. Ich bin auf einer Reise während der Hexenstunde. Alles ist in blutrotes Licht getaucht, alles ist rot. Ich darf mich nicht verzaubern lassen, ich will mich nicht verhexen lassen. Ich habe Angst. Ich bin in einem Gebäude. Es ist eine Hexenschule. Hier wird nach Hexenart gelernt. Nach Hexenregeln gespielt. Brutal.

(Dies hier kann nicht die Wirklichkeit sein.)

Ich bin auf einer Reise. Sie dauert eine Stunde vielleicht. Und überall lauern Hexen. Ich weiß nicht genau, was sie wollen. Ich vermeide die Konfrontation. Ich vermeide es, gesehen zu werden. Alles ist blutrot. Ich habe mein Schwert, aber was kann es gegen Hexen ausrichten. Sie werden ihre Zaubersprüche sprechen, bevor ich dazu komme, ihnen den Kopf abzuschlagen. Ich werde nicht dazu kommen, grausam handeln zu können.

(Dies ist nicht real. Nicht real.)

Eine Kirche, die mir keinen Schutz bietet. Denn es ist eine Hexenwelt, in der ich mich befinde. Und auch die Kirchen hier sind Hexenkirchen. Verwunschen. Und egal, welchen Weg ich gehe, ich werde immer auf Hexen stoßen. Ich werde sie nicht töten können, aber ich will mich auch nicht immer verstecken. Es ist eine Hexenwelt, eine Hexenstunde.

(Dies hier passiert nicht wirklich.)

Vielleicht ist der Spuk nach der Stunde vorbei. Vielleicht auch nicht. Und nicht die Hexen werden brennen. Sondern ich. Gut durch­ge­bra­ten werden sie mich fressen. Und Gretel, meine tapfere Schwester, wird mich nicht retten können.

(Dies hier erscheint wirklich, aber es muss doch eine Täuschung sein. Es muss. Es muss.)

Scheißparty im Traum

Dienstag, November 8th, 2011

Da war dieser Traum. Ich war auf einer Party. Und da war diese junge Frau, die meine Hand nahm. Unsere Finger griffen ineinander, das fühlte sich vertraut und geborgen an. Ich strich ihr die Haarsträhnen aus dem Gesicht. Wir lagen nebeneinander, Gesicht zu Gesicht. Sie sprach von Sex.

Aber im nächsten Moment gesellte sie sich zu anderen Jungs, zu anderen Männern. Ich latschte ein bisschen herum. Ich kannte kaum Leute auf der Party, und in keinem Raum, in den ich auch ging, fand ich Anschluss. Ich fühlte mich völlig allein, einsam.

Schließlich bat ein Typ um meinen Rat als Mediengestalter, aber es ging in Wirklichkeit um Autoreparaturen, und ich verstand das alles nicht.

Das war eine Scheißparty da in meinem Traum. Von der kurzen Szene mit dem Mädchen mal abgesehen.

Ich bin dann mal wach

Montag, Oktober 31st, 2011

Heute wurde ich geweckt von einer wuselnden Wespe, einem kläffenden Köter und einem tosenden Telefon. Nacheinander. Jetzt reicht’s. Ich stehe auf. Wiedersehen, wundersame Welt der Träume!

Ach, die Wespen

Dienstag, Oktober 25th, 2011

Ach, die Wespen. Sie wollen doch nur der herbstlichen Kälte entfliehen und ein wohlig warmes Zuhause finden. Deswegen dringen sie in meine Wohnung ein. Hier ist es ihnen dann aber zu düster, und so fliegen sie zum Licht, aber vermögen es nicht, das Glas meiner Fensterscheiben zu durchdringen. Dort wuseln sie vergebens umher, bis sie nach Tagen vor Erschöpfung sterben. Bsss, bsss, bsss.

Meine Mutter sagt immer: »Tiere sind nicht doof.« Nun, Insekten schon.

Spinne in der Badewanne

Samstag, Oktober 8th, 2011

Wie kommen bloß immer Spinnen in die Badewanne? Was wollen sie da? Sie kommen jedenfalls ohne fremde Hilfe nie wieder dort hinaus, denn sie schaffen es nicht, sich an den glatten Keramikwänden bis nach oben zum Rand zu kämpfen. Vielleicht wäre der Abfluss ein Ausweg? Vielleicht sind sie gar von dort gekommen?

Oder sind sie durch das offene Badezimmerfenster in die Wohnung gekrabbelt? Vielleicht gar vom Wind hereingeweht worden und zufällig in der Badewanne gelandet? Alles sehr unwahrscheinlich, finde ich. Es ist und bleibt ein Rätsel.

Gut, es sind ja nicht Hunderte. Es passiert ja nur ganz selten mal. Neulich Abend zum Beispiel entdeckte ich so ein verzweifeltes Tierchen in meiner Wanne. Und ich stellte mir halt die Fragen, die ich auch euch nun mit diesem kleinen Blogartikel stelle.

Ja. Schön. Muss aber jetzt keiner beantworten.