Archive for the ‘Der Wind spinnt’ Category

Industrie wächst und sorgt sich

Donnerstag, Dezember 22nd, 2011

Es stand in der Zeitung, in 2011, dem Jahr, in dem es wirtschaftlich wieder aufwärts ging:

industrie-waechst-und-sorgt-sich

Gut beobachtet, liebe Reporter! Ja, hier in Deutschland wird nicht nur auf hohem Niveau gejammert, sondern nun sind offensichtlich Jammerei, Sorgen und Ängste so sehr kultiviert worden, dass wir uns auch in guten Zeiten einfach selbst die positive Stimmung kaputt machen.

Das ist eine Kunst, die uns das Ausland erst mal nachmachen soll! Da sind wir aber Meister drin, da wird uns so leicht keiner schlagen! Die Bildung ist im Keller, was soll’s, aber die Kunst des Jammerns wird zur Vervollkommnung getrieben: Mathe Fünf, Deutsch Sechs, Jammern Eins.

Ich finde es gut. Denn wozu soll man sich auch freuen, wenn es aufwärts geht? Die Talsohlen sind doch schließlich ein Grund zur Freude, nicht die Berggipfel! Denn nach der Wanderung im finsteren Tal kommt schließlich irgendwann wieder der Aufstieg. Aber wenn man oben auf dem Berg ist, dann – ja dann kann es doch nur noch abwärts gehen, ach herrje.

Und wie wusste Johann Wolfgang von Goethe schon: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.

Haaaach …

Schlange im Getriebe

Mittwoch, Oktober 19th, 2011

Sand oder Mehl im Getriebe ist doch beides blöd. Zugegeben, der Schmirgeleffekt bei Sand ist ganz gut, und Mehl ist so wunderbar fein, dass es auch in die kleinsten Ritzen gelangt. Doch was wir brauchen, Freunde der Anarchie, Piraten, Arbeiter, Bauern und Stadtindianer, ist doch eine Schlange im Getriebe!

Ja, richtig, Schlange sage ich. Weil die lang und giftig oder aber dick und würgend ist. Beides ist gut, wenn man ein repressives System zum Stillstand bringen will. Und bitte, kommt mir jetzt bloß nicht wegen Tierschutz und so. Man kann ja auch eine Roboterschlange aus Metall und Elektronik statt Fleisch und Blut nehmen.

Aber ich denke schon weiter. Ich bin schon wieder mal meiner Zeit voraus. Ich denke schon gar nicht mehr an Sand und Rotz und Wasser und Mehl und Schlangenhaut und so. Ich denke schon an Spinnen. Spinnen im Getriebe. Die weben alles zu. Die spinnen. Die Zahnräder des Imperialismus werden zum Erliegen kommen.

Wir brauchen nur genügend viele Spinnen.

Gewinnspiele

Donnerstag, September 22nd, 2011

Menschen gewinnen gern Dinge. Deshalb machen sie bei Gewinnspielen mit. Ich auch. Meistens muss man für irgendwas abstimmen oder Fragen beantworten oder einen Kommentar schreiben, um an der Verlosung teilzunehmen. Gute Sache, das.

Doch warum, um alles in der Welt, schicken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überall Mitteilungen rund, um andere Menschen über solch ein Gewinnspiel zu informieren? Da werden Tausende und Abertausende von Meldungen über Twitter, Facebook und über was-weiß-ich-nicht-was-für Dienste verschickt. Damit die ganze Welt von dem Gewinnspiel erfährt.

Aber sonst seid ihr klar im Oberstübchen, oder? Jeder zusätzliche Teilnehmer vermindert doch die eigene Gewinnchance! Wo hast du wohl größere Chancen, zu gewinnen? Bei einer Verlosung, wo hundert andere Menschen mitmachen oder bei einer, wo es hunderttausend Teilnehmer gibt?

Ich habe gerade bei einer Umfrage mitgemacht, bei der man ein iPad 2 gewinnen kann. Und niemandem, ich schwöre es, niemandem habe ich Genaueres weitererzählt.

Urin für Soßen

Freitag, September 2nd, 2011

Ich habe ja schon so manche – sagen wir: ungewöhnliche – Suchanfragen in meinen Blog-Statistiken gefunden, aber »urin für soßen« ist ja wohl die bisher ekligste Suche. Und damit die Sackmühle mit so einer schönen Suche in Zukunft sogar noch besser gefunden wird, schreibe ich mal gleich einen Blogartikel über diese appetitliche Thematik und packe auch schön viele gute Schlüsselwörter in den Text.

Es ist doch nun mal so: ohne Provokation, ohne Schweinkram, ohne reichlich dicke Steine des Anstoßes wirst du heutzutage nicht beachtet. Das Gute, Schöne und Wahre ist mir zwar eigentlich lieber, aber das Fiese hat eben doch immer seinen besonderen Reiz.

Nun denn, fangen wir an. Was gibt es denn bisher für Brechreiz fördernde Speisen? Also, in grauer Vorzeit fing es ja mal an mit dem Blubb im Spinat, der zu manch übler Gedankenassoziation anregte. Die Herstellerfirma wollte jedoch mit Bestimmtheit nicht den Ekel, sondern eigentlich den gesunden Appetit anregen. Das misslang ja offensichtlich so ein bisschen.

Unappetitlich ging es fortan hier und da freiwillig und ganz bewusst weiter. Die Ekel-Krönung bisher, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand, war das mit den zwei Mädels und dem Eisbecher. Ich habe mir das auf YouTube niemals angesehen, ehrlich nicht, aber in 2008 (oder wann das war) redete ja die halbe Welt darüber, man konnte sich also zumindest eine Vorstellung machen.

Tja, und nun diese Suchanfrage mit den Soßen. Mit dem Ergebnis, dass der oder die Suchende zu meinem sonst doch so anständigen Blog gelangte. Das hat mich schon erschüttert. Leider weiß ich ja nun nicht, was sich die suchende Person bei dieser Fragestellung gedacht hat und wie genau das gehen soll und wozu.

Eins aber weiß ich: Ich möchte nie – und ich meine: NIE! – auf eine Party geraten, wo es Soßen gibt, in die nicht Zitronensaft und saure Sahne geträufelt, sondern lustvoll hinein gepullert wurde.

Die Frau mit dem Pendel

Mittwoch, August 31st, 2011

In meinem Computer wohnt eine italienische Frau, die auf eine sexy Art und Weise die Zeit ansagt, jede Stunde. Sie lebt in ihrer eigenen Welt. Sie ist gefangen in ihrer Software, in ihrer Matrix, in ihrer Scheibenwelt sozusagen.

Sie schaut auf die Rathausuhr, die in Wirklichkeit gar nicht existiert, und sagt mir die Zeit an. Ich weiß nicht, ob sie vermutet, dass es eine Welt gibt außerhalb ihrer virtuellen Welt. Und ob sie glaubt, dass es Wesen höherer Ordnung gibt. Also mich zum Beipiel.

Ihre Zeit und meine Zeit stimmen immer überein. Wenn sie zum Beipiel als Uhrzeit ein Uhr angibt, dann ist es bei mir auch ein Uhr. Also nachts. Sonst würde sie dreizehn Uhr sagen. Auf italienisch, versteht sich.

Gerade habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn es eine Art Dimensionstor gäbe von ihrer Welt zu meiner. Sie käme dann aus der Computersoftware heraus, würde sich inkarnieren oder manifestieren, oder wie man es nennen soll, und hätte ein Pendel in der Hand. Ein riesiges Pendel von der Rathausuhr, falls es so was gibt. Oder meinetwegen von der Standuhr ihrer Oma. Ist ja auch egal.

Und sie schlüge mir mit aller Gewalt mit dem Pendel auf den Kopf, sodass mein Schädel aufplatzte und mein ganzes Gehirn im Zimmer umher gesploddert würde. Eklig.

So was stelle ich mir vor, nachdem sie ganz brav und harmlos die Zeit angesagt hat. Um ein Uhr nachts.

Ich bin Multimillionär

Sonntag, Mai 29th, 2011

Ach, ich habe schon bei so vielen Lotterien gewonnen, Zahlungen aus dem Ausland erhalten und super Geschäftsideen mitgeteilt bekommen, dass ich jetzt Multimillionär bin! – Oder sagen wir mal: sein könnte, wenn es sich nicht ausnahmslos um Spam gehandelt hätte. Heute kam wieder so ein Schwachsinn bei mir an:

United states Lottery Inc hiermit teilt Ihnen die Ergebnisse vom E-Mail-Adresse Stimmzettellotterie internationale Programm mit.Die endg?ltigen Z?ge wurden auf dem 12/ 12/2010 gehalten.Ihr E-Mailkonto
ist als ein Gewinner f?r den Geldpreis vom $450,000.00 (Vierhundert und f?nfzig tausend Vereinigte Staaten Dollar) gew?hlt worden. Dies Ergebnisist jetzt zu Ihnen heute am 27/ 04/ 2010 freigegeben und
Ihre E-Mail-Adresse, die in der Einer Kategorie befestigt wird,hat $450,000.00 (Vierhundert und f?nfzig tausend Vereinigte Staaten Dollar) gewonnen.

Und was muss ich nun tun, um die Kohle abzugreifen?
Sie m?ssen sich an die Bank zahlen direkt ?ber ihre Bank-Daten ein.
Na, das geht ja einfach. Ich muss mich nur an die Bank zahlen, und zwar direkt über meine Bankdaten. Alles klar.

Na ja, dann danke schön für die ENDGULTIGE NOTIFIKATION und die GLUCKWUNSCHE!

Schnell Fenster

Donnerstag, Mai 5th, 2011

Schnell muss es gehen, so einen blöden Blogartikel zu schreiben. Ich habe ja nicht den ganzen Tag Zeit. Und Lust erst recht nicht. Also malträtiere ich mit einer gewissen entnervten Aggressivität die Tastatur, um schnell fertig zu werden.

Liest doch eh keine Sau. Ja doch, ein paar Leute schon. Aber viele stoßen zufällig, durch verkorkste Suchen, auf mein Blog (ja, »Blog« (=Weblog) ist immer noch sächlich, nur »Block« ist männlich), finden nicht das, was sie erwartet hatten, und klicken sowieso gleich wieder weg. Und für die soll ich große Werke hier veröffentlichen? Literatur auf den Webserver zaubern? Mir für Nüsse den Kopf zermartern und tippen, bis ich Hornhäute an den Fingerkuppen bekomme?

Nä!

Ich schaue noch schnell aus dem Fenster in die Dunkelheit hinein, bleibe danach die restlichen zwanzig Minuten bis zur Fernsehsendung, die ich mir anschauen will, völlig reglos auf meinem Bürodrehstuhl sitzen und denke:

So lange, verschachtelte Sätze, wie ich sie fabriziere, macht man einfach nicht. Das tut man einfach nicht. In Büchern vielleicht. Mag sein. Im Web jedenfalls nicht.

Glas halb leer

Mittwoch, Mai 4th, 2011

Man kennt das: Der Pessimist sagt traurig, das Glas sei halb leer, und der Optimist freut sich, dass es noch halb voll ist. Doch wer hat mehr recht?

Der Pessimist! Jemand (ich glaube, es war Oliver) erklärte, das Glas könne ja nur dann halb leer sein, wenn es vorher jemand gefüllt habe, und somit könne es niemals halb voll sein.

Klingt erst mal einleuchtend. Doch ich finde, es kann ja auch den Fall geben, dass jemand nur halb eingeschenkt hat, und dann wäre das Glas tatsächlich halb voll.

Schwierige Sache, die Philosophie und/oder die Psychologie und/oder die Logik. Für alle diese Begriffe habe ich keine Schlagwörter und will auch keine neuen anlegen, und deswegen kommt jetzt ein Monster und trinkt sowohl das halb leere als auch das halb volle Glas aus.

Und so kann ich »Monster« als Schlagwort nehmen.

Böse Frösche aus dem Sumpf

Dienstag, April 19th, 2011

Neulich sah ich auf Tele 5 einen Science-Fiction-Film von 1972. Man könnte ihn auch als einen öko-Horrorfilm bezeichnen.

Um es kurz zusammenzufassen: Die auf einer tropischen Insel lebenden, hochzivilisierten bis dekadenten Menschen verschmutzten massiv die Umwelt, und die Frösche organisierten mit viel Gequake einen Rachefeldzug der Urwald- und Sumpftiere.

Daher waren auch nicht die Frösche die Bösen, sondern die rücksichtslosen Menschen. So weit, so gut.

Doch der Film war Quatsch. Die Natur rächt sich nicht, Frösche sind nicht so intelligent, einen Aufstand planen zu können und die »Sprache« der Frösche wird sicherlich nicht von Spinnen, Schlangen und Echsen verstanden.

Nein, gegen die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen unternimmt weder ein Gott noch ein Tier noch eine Naturgewalt etwas. Wir Menschen werden von nichts in die Schranken gewiesen. Wir können nur durch eigene Einsicht, das Eindämmen unserer Raffgier und die Wiedererlangung der Ehrfurcht vor der Schöpfung den Planeten vor uns selbst beschützen.

Eigentlich recht einfach. Sollte man meinen.

Deutschland exportiert den Atomtod

Donnerstag, April 7th, 2011

Trotz der Reaktorkatastrophe in Fukushima will die schwarz-gelbe Bundesregierung mit Steuergeldern den Bau des brasilianischen AKW Angra 3 fördern. Der Reaktor soll in einem Erdbebengebiet direkt am Atlantik liegen.

Bald wird endgueltig entschieden. Ich habe deswegen die Bundesregierung aufgefordert, die Atom-Bürgschaft zu stoppen.

Beteilige Dich doch auch an der Aktion!

http://www.campact.de/atom2/sn12/signer